Langstreckenwandern für Anfänger, Teil 2

Bevor ich mich Ende März auf den Weg machte, “nach Hause zu gehen”, hatte ich genau eine längere Wanderung unternommen: Bei der Besteigung des Mount Cameroon 2012 entschied ich mich für die Zweieinhalb-Tages-Route, zunächst einen Tag den Berg hinauf und dann anderthalb Tage über die Lavafelder den Berg hinab. Wir hatten Träger für fast unser gesamtes Gepäck, so dass ich mich nur um mein Day Pack kümmern musste. 

In den letzten sechs Monaten habe ich jedoch eine Menge darüber gelernt, wie man sich für eine lange Wanderung vorbereitet und welche Tricks das Wandern angenehmer gestalten. Halte es einfach (leicht) und achte auf Deinen Körper sind die beiden wichtigsten Themen, die sich dabei herauskristallisiert haben. Im letzten Beitrag ging es darum, sich richtig auf die Langstreckenwanderung vorzubereiten. Heute teile ich meine Tipps und Tricks mit Euch, wie Ihr unterwegs glücklich und zufrieden bleibt.

Wanderstöcke

Ich habe das ganze Palaver um Wanderstöcke nie verstanden.

Bis ich querfeldein mit 9 kg auf meinem Rücken gewandert bin. Die Stöcke helfen, in unebenem Terrain das Gleichgewicht zu halten. Sie halten mich davon ab, einen Buckel zu machen. Und nach sechs Stunden unterwegs halten sie mich aufrecht und leiten mich auf den letzten Metern. Mit meinen Stöcken fühle ich mich wie auf Schienen.

Trockenen Fußes

Es ist eine Tatsache, an die Du Dich am besten schnell gewöhnst: Du wirst nasse Füsse nicht gänzlich vermeiden können. Sei es der Tau auf dem Gras am Morgen, eine Pfütze, an der Du nicht vorbei kommst oder einfach ein heftiger Regenschauer.

Egal, warum die Schuhe naß sind, tue alles Dir mögliche, um sie bis zum nächsten Morgen wieder trocken zu bekommen.

Ich glaube nicht daran, ein Ersatzpaar Schuhe mit mir zu schleppen. Nach zwei regnerischen Tagen hast Du dann einfach nur zwei Paar nasse Schuhe.

Stattdessen solltest Du Dich darauf konzentrieren, das eine Paar zu trocknen. Bei meinen Trailrunnern kann ich die Innensohlen herausnehmen und separat trocknen. Zusammengeknülltes Zeitungspapier hilft ebenfalls, die Feuchtigkeit aus dem Schuh zu ziehen. Im Idealfall hast Du jedoch eine Wärmequelle. Wenn Du zeltest, kannst Du entweder die Rezeption oder Nachbarn in Wohnwagen fragen, ob sie Deine Schuhe unter, neben oder auf die Heizung stellen können. Mir hat die Bitte um Hilfe dazu noch die ein oder andere Einladung zum Essen oder auf einen Kaffee eingebracht.

Eincremen nicht vergessen

Du trägst Deine bequemsten Schuhe. Sie sind nicht zu eng. Sie sind gut gepolstert. Du hast sie eingelaufen. Deine Socken sind aus Bambus oder Baumwolle und sitzen  perfekt.

Und trotzdem hast Du plötzlich Blasen.

Manno! Das Gewicht auf dem Rücken und die Dauerbelastung lasten schwer auf Deinen Füssen.

Alles was Du brauchst, ist ein wenig Creme. Für mich funktioniert Hirschtalgcreme am besten. Aber es muss nicht teuer sein. Eine normale Handcreme tut es auch. Wichtig ist, dass Du eine rückfetende Creme benutzt, also keine Lotion. Trage einfach am Morgen bevor Du die Socken anziehst, einen dünne Schicht auf. Und das war’s schon.

Mach mal Pause. Regelmäßig

Du bist auf einem Langstreckenmarsch. Um das Ende zu sehen, solltest Du Pausen machen, bevor Du nicht mehr kannst. Meiner Erfahrung nach sind fünf bis zehn Minuten Pause alle  fünf Kilometer oder einmal in der Stunde ein guter Rhythmus. Um Dehydration vorzubeugen, solltest Du bei der Gelegenheit auch immer wenigstens ein paar Schluck trinken, wenn Du anhältst.

Genauso solltest Du Snacks einplanen. Auch hier gilt, dass Du die Kalorien zu Dir nehmen willst, bevor der Hungerast da ist. Weiter unten in diesem Artikel liste ich einige Ideen für Snacks auf, von denen Du Dich inspirieren lassen kannst.

Und genauso wie Du während eines Wandertages regelmäßig Pausen einlegen solltest, solltest Du auch Pausen zwischen den Wandertagen einplanen. Ich versuche, einmal die Woche mindestens zwei Nächte am gleichen Ort zu bleiben. Das verschafft sowohl dem Körper als auch dem Geist eine wohlverdiente Pause, bevor eines von beidem ganz ausgelaugt ist.

Immer erreichbar

Extrataschen und Karabiner helfen, Dinge auch während des Gehens leicht erreichbar zu halten. Wenn Du zum Beispiel ein Photo machen möchtest, willst Du schließlich nicht jedesmal anhalten und Deine Kamera herauskramen müssen. Andererseits willst Du sie vielleicht auch nicht ständig um den Hals baumeln haben. Ähnliches gilt für Deinen Regenponcho.

Andere Dinge, die Du leicht zügänglich lassen möchtest, köonen sein: Taschentücher, Asthmamedikamente, Wasser, Kleingeld, Handy, Karte (oder GPS-Gerät) und Bonbons. Dabei kann es sein, dass sich Deine Bedürfnisse ändern und die Deine Packordnung von Zeit zu Zeit überdenken musst.

Snacks

Traditionelle Wandersnacks wie Nüsse, getrocknete Früchte und Müsliriegel sollte jeder Wanderer bei sich tragen. Wenn es nicht allzu warm ist, ist Bitterschokolade eine gute Ergänzung, da sie sowohl Zucker für schnelle Energie als auch Koffein und Flavonoide enthält, die sich langfristig positiv auf das Wohlbefinden auswirken können. Als Alternative für den schnellen Zuckerkick empfehle ich Bonbons und gezuckerte Kondensmilch (in der Tube).

Trockene Snacks transportierst Du am besten in einem wasserdichten Behälter, um die Feuchtigkeit abzuhalten. So eine Dose kann außerdem auch als Tasse oder Schüssel eine Zweit- und Drittverwendung finden.

Als herzhafte Snacks haben sich für mich besonders Dosenfisch und Pastete hervorgetan. Sie sind unkompliziert zu transportieren und enthalten maximal zwei Portionen.

Vergiss nicht, immer einen kleinen Müllbeutel bei Dir zu tragen (dazu kannst Du auch Verpackungen recyclen), falls der nächste Mülleimer ein wenig weiter entfernt ist.

Take nothing but pictures. Leave nothing but footprints. Kill nothing but time.

Abhängig davon, wo Du unterwegs bist, kannst Du auch Snacks am Wegesrand finden. Ich liebe es, für wild wachsende Früchte und Beeren eine Rast einzulegen. Eine mehrwöchige Tour ist eine tolle Gelegenheit, etwas über die lokale Flora zu lernen, während Du in der einen Woche süße Kirschen vom Baum pflückst, in der nächsten Pflaumen und im Frühherbst saftige Feigen. Mir war vorher nicht klar, dass unterschiedliche Sorten der selben Art zu unterschiedlichen Zeiten reifen.

Mit der Verbreitung des eigenen Automobils verschwinden leider überall in Europa die Dorfbäckereien und Tante Emma-Läden. In manchen Gegenden haben fahrende Läden übernommen, die manchmal täglich oder gar nur wöchentlich an zentraler Stelle im Ort Halt machen. Kaufe also frisches Brot und Kuchen, wenn Du kannst.

Wasser

Wenn Du nicht planst, in abgelegenen, unbewohnten, trockenen Regionen zu wandern oder wild zu campen, ist eine 1 Liter-Flasche komplett ausreichend. Du kannst sie an Dorfbrunnen auffüllen oder Bauern nach frischem Wasser fragen. Ländliche Friedhöfe haben meistens einen Wasserhahn, der sich aus dem lokalen Brunnen mit erfrischendem Trinkwasser speist. In den Bergen halte nach kleinen Quellen Ausschau. Frischer als direkt aus dem Felsen kann Wasser nicht sein.

Übrigens: Bitte benutze keine Plastikflaschen, die Du nach einmal Benutzung wegwirfst. Schließlich bist Du da draußen, um näher an der Natur zu sein. Mach sie nicht kaputt.


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