Ich baue mir ein Wägelchen, um meinen Rucksack zu transportieren

Vor ein paar Tagen habe ich darüber geschrieben, wie Ihr Euch am besten auf eine Langstreckenwanderung vorbereitet und wir Ihr halbwegs unbeschadet ans Ziel kommt. Ich hoffe, Ihr habt Inspiration gefunden, das Wandern wenigstens einmal auszuprobieren. Falls Ihr Euch jedoch noch immer Sorgen ob des schweren Gepäcks macht, möchte ich Euch heute eine schnelle Lösung vorstellen. Sie ist mir eingefallen, nachdem die Anschaffung eines Zelts und zusätzlicher Vorräte das Gewicht meines Rucksacks auf beinahe 13 kg in die Höhe schnellen liess.

Das Grundkonzept ist einfach: Das Gewicht muss von den Schultern. Da, wo das Gewicht hinkommt, hab ich als Frau wahrscheinlich einen kleinen Vorteil: Das Gewicht kommt auf die Hüften. Und den Boden.

Schritt 1

Als Basis benötigst Du einen Einkaufsroller, wie ihn normalerweise alte Damen benutzen. Er muss nicht teuer sein. Allerdings sollte der Rahmen nicht aus Plastik, sondern verchromt sein. Mein Roller hat 25 Euro gekostet. Ich habe ihn Polly getauft.

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Schritt 2

Du benötigst außerdem einen Gürtel. Mit etwas Glück hast Du einen ordentlichen Trekkingrucksack – mit einem Hüftgurt, der gut gepolstert und stabil ist. Mein Rucksack ist der Brenta 30 von Vaude.

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Schritt 3

Zuletzt benötigst Du eine stabile Schnur und einen Karabiner. Mein Vorhängeschloss kam mit einer Stahlschnur, mit der ich zunächst nicht anfangen konnte. Da sie aber außerdem Schlaufen an beiden Enden hat, eignet sie sich perfekt für unsere Zwecke.

Ich trage immer ein paar kleine Karabiner bei mir. Im Bild siehst Du den Karabiner, der zum Einkaufsroller gehörte. Der hat aber nicht sehr lange gehalten. Besser Du investierst ein paar Euro in Qualitätskarabiner.

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Schritt 4

Nun musst Du die Schnur am Gürtel anbringen. Das Gewicht verteilt sich am besten, je weiter Du die Schnur auf dem Gürtel verteilst. Wenn Du also Deinen Rucksack benutzt, bringe die Schnur nicht einfach am Rücken an, das zieht nur an den Schultern, sondern versuche die Schnur nach vorne um den Bauch herum zu führen.

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Schritt 5

Wickele ein Ende der Schnur um den Griff des Einkaufsrollers. Es muss lang genug bleiben, dass Du es am Ende vorne vor Deinem Bauch mit dem Karabiner mit dem anderen Ende verbinden kannst. Wenn der Einkaufsroller kippt, sollte er hoch genug bleiben, um Dir nicht in die Knie oder Schenkel zu schlagen. Gleichzeitig sollte die Schnur nicht zu eng gewickelt sein, damit der Roller überhaupt kippt. Versuch macht hier klug…

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Ergebnis

Unten siehst Du, wie mein Roller aussah kurz nachdem ich die Idee hatte. In den folgenden Wochen habe ich das System nach und nach verbessert:

  • Ich tauschte die Stofftasche des Rollers gegen einen richtigen Rucksack aus. So konnte ich in schwierigem Gelände den Roller auf meinen Bauch schnallen.
  • Die Position der Schnur habe ich soweit angepasst, dass ich schließlich Löcher in die Taschen an beiden Seiten des Hüftgurtes schnitt, durch die ich die Schnur fädelte.
  • Ich änderte die Verteilung des Gewichts zwischen Rucksack und Roller.

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Profitipp

Während zwei Räder recht leichtes Manövrieren erlauben, sorgen sie auch dafür, dass selbst bergab nie das ganze Gewicht auf der Straße liegt. Mit etwas mehr (Vorbereitungs-)Zeit kannst Du schauen, was sich mit dreirädrigen Gefährten (z.B. Golfwagen) anfangen lässt.

Oder baue Deinen ganz eigenen Roller.

Warnung

Diese kleine Erfindung bietet lediglich zusätzliche Unterstützung und ist keine Einladung, Deine Packdisziplin zu vernachlässigen. Nicht nur mußt Du das Wägelchen noch immer mit der eigenen Kraft bewegen. Es wird auch Situationen geben, in denen Du es heben oder über kurze Strecken tragen mußt.

Nooo! Polly, the Trolley , and I are having our first serious critics. But I know she wants to Reach The Ocean as much as I do. Pull through, Polly !

Leider erreichte Polly Biarritz in sehr traurigem Zustand. Der Griff war gebrochen. Ich ließ sie in der Auberge de Jeunesse in Anglet. Polly war eine gute Reisekameradin, die mir einen holprigen, regnerischen Sommer in Frankreich lang zu Seite stand. Ruhe in Frieden, Polly!