Tausche Arbeitskraft gegen Unterkunft und Verpflegung – Die wunderbare Welt des WorkAwaying

Träumst Du davon, Dein Leben neu gestalten? Was, wenn ich Dir sagen würde, dass Du dein neues Leben zu äusserst geringen Kosten ausprobieren kannst? Die Antwort heisst WorkAway (oder WWOOFing oder HelpX,… – klicke hier um mehr über die drei Alternativen zu erfahren).

Du möchtest auf’s Land ziehen? — Finde Gastgeber (host)s auf dem Land in dem Land und der Region Deiner Wahl.

Du wolltest schon immer eine Frühstückspension betreiben? — Finde Gastgeber, die sich den Traum erfüllt haben.

Du liebäugelst mit dem Gedanken, einen alten Bauernhof in Südfrankreich zu kaufen? — Finde Gastgeber, die den Schritt gewagt haben und lerne von ihren Erfahrungen.

Zum ersten habe ich beim Couchsurfing von WorkAway.info gehört. Christian erzählte mir davon, wie er einmal drei Monate in Estland an einem Haus mitgebaut hatte, ohne Erfahrung im Häuser bauen oder ohne fliessende Estnischkenntnisse..

Die Grundidee von WorkAway ist der Austausch von Unterkunft und Verpflegung gegen etwa 25 Arbeitsstunden in der Woche.

WorkAway und HelpX betreiben Onlinedatenbanken mit jeweils mehreren Tausend Einträgen. Gastgeber und Arbeiter (meist “volunteers” – Freiwillige – genannt) beschreiben in ihren Profilen sich selbst, ihre Kenntnisse und Fertigkeiten (Arbeiter) und die Aufgaben, die auf Gäste warten (Gastgeber). Beide Seiten können Kontakt zur anderen aufnehmen. verständlicherweise tendieren Gastgeber dazu, sich Leute mit besonderen Fähigkeiten einzuladen. Handwerker wie Maurer, Elektriker und Gas- und Wasserinstallateure können sich vor Anfragen meist kaum retten. Doch keine Sorge: Ich bin (nach mancher Massstab) ziemlich alt, weiblich (also nicht kräftig) und habe keinerlei handwerkliche Fähigkeiten. Und trotzdem habe ich weniger als eine Woche nach meiner ersten Gastgeberfamilie suchen müssen.

Die Bewerbung ist der Schlüssel zum Erfolg. Betrachte die E-Mail als Bewerbungsschreiben wie Du es für jeden anderen Job erstellen würdest, nur ein weniger formell. Meistens findet die Kommunikation in Englisch statt. Doch da in den Profilen steht, welche Sprachen die Gastgeber sprechen, können auch andere Sprachkenntnisse von Nutzen sein. Lass Deine zukünftigen Gastgeber wissen, warum Du Dich gerade für sie entschieden hast und was Du für sie leisten kannst. Schreibe, was Du von ihnen erwartest. Lies ihr Profil. Lies es genau durch. Finde Hinweise in den Referenzen: die Namen der Gastgeber, Tagesabläufe, Erwartungen, etc. Hinterlasse selbst eine Referenz nachdem Dein Aufenthalt vorüber ist. Bitte Deine Gastgeber, desgleichen für Dich zu tun.

In den vergangenen sechs Monaten habe ich Kiesel geschaufelt, Ferienwohnungen gereinigt und 20 m lange wilde Brombeeren bekämpft. Ich habe drei Websites gebaut, Wände, Böden und Schränke gemalert, Bäume beschnitten, auf Hunde, Katzen und Häuser aufgepasst und eine Wäschekammer aufgeräumt.

Im Moment bin ich im Tarn in Südfrankreich und passe auf einen Hund und ein Haus auf, dessen riesiger Garten täglich von Maulwurfshügeln befreit werden will. Ich gehe jede Woche zu einem Französisch-Kurs und kann mich halb-fliessend auf französisch unterhalten.

Die Möglichkeit, mich in den verschiedensten Aufgaben und Lebensstilen zu probieren, neue Fertigkeiten zu erwerben, aber auch zu erfahren, was es bedeutet, zum Beispiel den Ruhestand auf dem Land zu verbringen, machen für mich, die rastlose Wanderin, WorkAwaying spannend. Ein anderer wichtiger Aspekt ist jedoch der finanzielle. In drei Monaten im Tarn habe ich so gut wie kein Geld ausgeben müssen. Das hängt natürlich erheblich von Deinen Interessen und Deinen Gastgebern ab. Wenn Du zwei Wochen Deines Jahresurlaubs hier verbringst, wirst Du viel häufiger ausgehen und die Sehenswürdigkeiten erkunden. Und Deine Gastgeber sind nicht immer willens oder in der Lage, Dich durch die Gegend zu kutschieren oder Dich zu einem Essen in die nächste Stadt einzuladen. Doch insgesamt macht der Austausch einen Urlaub bezahlbarer, wenn für Unterkunft und Verpflegung im Grossen und Ganzen gesorgt ist.

Als Alleinreisende öffnen sich mir nicht nur die Häuser meiner Gastgeber, sondern auch ihr soziales Umfeld. Die Gegend rund um Cordes-sur-Ciel etwa hat eine grosse (englischsprachige) Auswanderergemeinde. Ich werde zu Mittagessen, Abendessen, Parties und Ausflügen eingeladen. Nach meiner ersten Ankunft hier im Oktober wurde ich zweimal an andere Gastgeber weiterempfohlen. Ausserdem — obgleich das äusserst selten und ausdrücklich nicht Teil der WorkAway-Vereinbarung ist — konnte ich kleine Jobs bei Freunden und Nachbarn annehmen und mir dadurch ein kleines Zubrot verdienen.

WorkAwaying ist eine Erfahrung, die ich jedem ans Herz legen kann, der bereit ist, hart zu arbeiten und neue Welten für sich zu entdecken, egal, ob Du in ein neues Leben hineinschnuppern möchtest oder Dir nur so einen Urlaub auf der anderen Seite der Erdkugel leisten kannst.