Ich reise solo

Es ist ja nicht so, daß ich nicht gern unter Menschen bin. Bei meiner Afrikaumrundung war ich auf der Ostseite über lange Zeit mit dem selben Typen zusammen. Wir sind noch immer Freunde. Ich bin eine begeisterte Couchsurferin und mag WorkAway lieber als Housesitting. Aber einen Partner für das Reisen und Leben zu finden, ist mir bisher nicht gelungen. Ich verbringe einen weiteren Valentinstag allein.

Es gibt so Einiges, was dafür spricht, als Paar zu reisen:

Für viele, vor allem weibliche Reisende, ist Sicherheit ein Thema. Doch darum sorge ich mich persönlich nicht so sehr. Die Menschen, denen ich begegne, sind im Allgemeinen sehr freundlich und scheinen auf mich acht zu geben, wenn ich es selbst nicht tue.

Wichtiger für mich ist die Aussicht, mit jemandem die Last zu teilen. Allein gebe ich mehr Geld für Essen und Unterkunft aus. Und ich bin für alle Entscheidungen allein verantwortlich: links – rechts, Italien – Indien, Ausgehen – daheim kochen, einen Film schauen – schlafen gehen. Am schwersten jedoch wiegt, daß ich mit niemanden die Geschichten teilen kann, die ein jeder Tag schreibt.

“Halt!” schreist Du jetzt auf.

Dafür gibt es doch Freunde und Familie!

Stimmt. Manche Menschen haben eine ganz eng vertraute Person, die die beste Freundin, der Vater oder die Schwester ist.

Doch Exklusivität. Und Sex.

Sie unterscheiden die eine Beziehung (oder Serie von Beziehungen) von allen Menschen in unserem Leben. Auch wenn wir vielleicht nicht genau auf der selben Reise sind, sind unsere Reisen doch miteinander verwoben. Daher ist es leichter, einander zu verstehen. und die Last gemeinsam zu tragen.

Glücklicherweise hat auch das Alleinreisen seine Vorteile:

Ich muss keine Kompromisse eingehen, nur um meinen Reisekamerad glücklich zu stimmen.

Ich habe die Freiheit, dorthin zu gehen, wohin mich der Wind treibt.

Allein zu sein, bedeutet, daß um mich herum mehr Platz ist. Ich bin erreichbar. Es ist wahrscheinlicher, daß mir eine Unterkunft angeboten wird oder ein Fremder eine Unterhaltung beginnt. Zwangsläufig mache ich mehr ungeplante Erfahrungen.

Welcher Zustand ist also erstrebenswerter?

Mehr Erfahrungen zu machen, die niemand jemals wirklich verstehen wird, wenn ich von ihnen berichte? Oder die Möglichkeit, weniger Erfahrungen eingehender mit dieser ganz besonderen Person zu teilen?

An Tagen wie diesen wünsche ich mir, nicht allein zu sein. Doch que sera sera. Und eines Tages werde ich ihm da draußen begegnen. Und ich kann es kaum erwarten, ihm zu erzählen, was auf dem Weg passiert ist.