Ist es eine Höhle? Ist es ein Haus? Ja, es ist Matera, UNESCO Weltkulturerbe

Filmliebhaber erkennen Matera als Drehort zahlreicher Filme über den Tod von Jesus, zuletzt Mel Gibsons ¨Die Passion Christi¨. Und obgleich der christliche Glaube eine bedeutende Rolle bei der Entstehung der Stadt gespielt hat, beginnt ihre Geschichte viel früher und hat die Region eine Menge mehr zu bieten.

Ungewöhnlich für eine alte Stadt liegt der Großteil der Altstadt in zwei nebeneinanderliegenden Tälern. Das eröffnet Besuchern atemberaubende Blicke von der Neustadt.

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Der Grund dafür sind die natürlichen Höhlen, die bereits in der Jungsteinzeit (welche vor 10.000 Jahren endete) erste Siedler anlockten. Spätere Siedler vergrößerten diese Höhlen zunächst in den Felsen und wiederum spätere nach außen mit eher konventionellen Häusern. Die Stadt ist so einzigartig, dass Matera 1993 zum UNESCO Weltkulturerbe erklärt wurde.

Ich erreiche die Stadt im Bus aus Policoro. Matera ist die Hauptstadt der gleichnamigen italienischen Provinz und daher mit recht guten Busverbindungen gesegnet. Außerdem gibt es eine privat betriebene Zugverbindung nach Bari an der adriatischen Küste. Von der Bushaltestelle sind es nur wenige hundert Meter zu den Sassi.

Sasso im lokalen Dialekt bedeutet ¨Stein¨. Warum das so ist, ist nicht schwer zu erraten.

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Mein erster Weg führt mich hinab in den neueren Teil der Altstadt, Sasso Barisano, und dann wieder hinauf nach Civita, wo sich einst die erste Siedlung in Matera befand. Der duomo als weithin sichtbares Gebäude eignet sich hervorragend als Orientierungshilfe, wenn man sich in den Gassen im Tal verlaufen hat. Die Straßen hier unten sind breiter als in den medina im Nahen Osten. Doch sie sind grob gepflastert und durch ein Wirrwarr an Stufen verbunden, die teilweise direkt in den Felsen gehauen wurden. Ein Besuch in Matera ist nichts für Fußschwache.

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Hinter Civita eröffnet sich ein unerwarteter Blick: In einem weiteren Tal fließt ein wilder Strom, links und rechts davon erheben sich Felsen und Weiden. Irgendwo da draußen höre ich das metallene Schellen der Glocken, die die Hirten um die Hälse ihrer Ziegen gebunden haben, um sie leichter wiederzufinden. Der Nationalpark Murgia Materana umfasst 8.000 Hektar, in denen weitere Höhlen, einst Behausungen oder Kirchen, auf ihre Entdeckung warten.

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Doch ich habe keine Zeit für solche Erkundungen. Stattdessen kehre ich um in Richtung des Sasso Caveore. Im älteren der beiden Sassi sind ein paar mehr Häuser noch immer dem Verfall preisgegeben, es gibt mehr Kirchen und mehr der grotti sind restauriert worden, um interessierten Besuchern einen Einblick in das karge Dasein zu geben, dass die Bewohner hier noch vor wenig mehr als 50 Jahren fristeten.

Ich beende meinen Spaziergang in der Via Domenico Ridola, nur einen Straßenzug außerhalb der Sassi, in der Chiesa del Purgatorio, einer barocken Kirche, die dem Thema ¨Tod¨ gewidmet ist.

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Praktische Hinweise für den Besuch in Matera

  • Mehrfach am Tag fahren Busse aus den umliegenden größeren Orten von/nach Matera. Die Orientierung im Busbahnhof ist eher unmöglich, da es weder Schilder gibt noch Fahrpläne ausgehangen sind.
  • Zwischen Bari und Matera verkehrt auch die Ferrovie Appulo Lucane (FAL), eine private Eisenbahnlinie.
  • Busse und Züge verkehren nur fünf Minuten zu Fuß von den Sassi; der kürzeste Weg führt entlang der Via Minzoni / Via Ascanio Persico.
  • Solltest Du nur wenig Zeit haben, reichen drei Stunden, um einen umfassenden Eindruck von der Altstadt in Matera zu gewinnen. Backpacker können ihren Rucksack gegen eine kleine Gebühr im Fahrkartenverkauf (biglietteria) unterstellen. Dieser befindet sich etwa 50 Meter vom Busbahnhof in der Via Minzoni.
  • Die nächsten Flughäfen befinden sich in Bari und Brindisi.
  • Die offizielle Touristeninformation befindet sich am Busbahnhof. Allerdings war diese bei meinem Besuch weder gut mit Personal noch mit Broschüren bestückt (keine Karte von Matera). Alle anderen als ¨Tourist Information¨ markierten Läden in der Innenstadt sind Anbieter von Touren oder Souvenirs, die ihre Produkte verkaufen wollen.
  • In den Sassi, vor allem in Barisano, gibt es zahllose Unterkünfte. Für den kleinen Luxus zwischendurch — Übernachtung in einer grotto, mit direktem Zugang zur Murgia — empfehle ich das Sextantio Hotel in Cevita.  Auf booking.com kostet die Suite pro Nacht 250plus Euro. Die preiswerteste Unterkunft bietet die Le Monchelle HI Jugendherberge neben dem duomo, die sich in einem Teil eines ehemaligen Klosters befindet. Für weitere Unterkünfte in verschiedenen Preisklassen, klicke auf das Booking.com-Banner oben auf der Website oder unter diesem Beitrag (es handelt sich dabei um Affiliatelink).
  • In den Sassi gibt es keine Lebensmittelläden. Es gibt viele Restaurants, die sich jedoch an Touristen richten und entsprechende Preise aufrufen. Für Eiscreme lohnt sich ein Spaziergang in die Via Domenico Ridola.
  • Zwischen Frühsommer und Herbst finden in Matera zahlreiche Festivals statt (u.a. moderne Bildhauerei und weibliche Belletristik). Das wichtigste traditionelle Fest ist die Festa della Madonna della Bruna, die jährlich am 2. Juli begannen wird.
  • 2019 ist Matera die europäische Kulturhauptstadt. Die Frage ist also, ob Du die Stadt lieber jetzt vor dem großen Ansturm genießen möchtest oder 2019, wenn noch größere Teile der Sassi restauriert wurden.

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Für weitere Fotos von meinem Besuch in Matera (auf Flickr) klicke hier. 

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