Die ganze Welt zuhause

Heute möchte ich über ein Problem sprechen, von dem dir vor dem Reisen wieder niemand erzählt:

Hilfe, ich kann keine Mangos mehr essen, keine Papaya, kein Pistazieneis, keinen frittierten Fisch, keinen Blauschimmelkäse, keine …

Noch vor wenigen Jahrzehnten kannte in Deutschland tropische Früchte nur, wer entweder extrem reich war oder wer für die Marine arbeitete. Die Supermärkte hießen noch Tante-Emma-Laden und Urlaub — wenn überhaupt — machte die Durchschnittsbürgerin in der Heimat, vielleicht in anderen europäischen Ländern, doch sicher nicht in der Karibik oder Südostasien.

Mit schnelleren und preiswerteren Transportwegen erweiterte sich das Angebot der Supermärkte mehr und mehr.

Ich liebte es, mir mit dem Wochenendeinkauf exotische Früchte zu leisten — statt zum Apfel griff ich zur Mango oder Papaya. Zugegeben, manchmal waren sie nicht ganz reif. Dann begann das Ratespiel: Zu früh angeschnitten ist die Frucht zu hart, zu bitter; zu lange gewartet und mich erwartete statt süßem Fruchtfleisch brauner Schleim.

Das ging so lange gut, bis ich nach Afrika reiste. In Ugandas Hauptstadt Kampala, zum Beispiel, verkaufen Frauen Mangos als Street Food. Der Kunde sucht sich eine Frucht aus und mit einer Machete schneidet die Händlerin sie in mundgerechte Segmente, die man Stück für Stück vom Stein nascht.

Und Paw Paws — das ist der in vielen afrikanischen Ländern gebräuchliche Name für Papaya –, sie sind riesig und pink und saftig und lecker!

Nach meiner Rückkehr habe ich die tropischen Früchte im Supermarkt nicht mal mit dem Hintern angesehen. Jetzt wusste ich ja, wie die wirklich schmecken müssen und das Ratespiel machte plötzlich keinen Sinn mehr.

Kürzlich war ich in Italien und dann zu allem Überfluss auch noch in Florenz. Und natürlich habe ich viel Eis gegessen. Das von Carraia an der Ponte Carraia in Florenz ist besonders cremig, sämig, fruchtig, nussig, schokoladig, Lust-auf-immer-mehr- machend.

Zurück in Berlin, wo es durchaus auch Eismanufakturen gibt, die mit Liebe zum Detail ihre Produkte von Hand herstellen, dachte ich so: ‘Meh, ist OK.’

Wenn wir reisen, lernen wir Produkte in ihrer natürlichen Umgebung kennen. “Vielleicht”, kann man sagen, “schmecken die frittierten Tintenfischringe in der Cinque Terre besser als in Osnabrück, weil die Sonne scheint, weil wir den Alltagsstress hinter uns lassen und weil das Meer direkt vor unserer Nase liegt und Riechen und Schmecken hier in perfekter Symbiose leben.”

Aber vielleicht ist die Mango nicht dafür gemacht, unreif vom Baum gerissen und in einem dunklen Container tausende Kilometer ans andere Ende der Erde verfrachtet zu werden. Vielleicht müssen wir nicht immer alles jetzt und hier und gleich haben wollen können. Vielleicht ist es gut, dass ich in Berlin keine perfekten Oléron-Austern bekommen kann. Genauso wie ich auf Sizilien auf eine leckere Currywurst verzichten muss.

Glücklicherweise gibt es aber auch Produkte, denen die Globalisierung gut tut, weil sie, einmal produziert, überallhin versendet werden können, ohne an Qualität zu verlieren. Tee, der ein Stück Indien auch in die dunkelsten Ecken Sachsens bringen kann, kommt mir als erstes in den Sinn.

Und Alkohol (natürlich).

Ich war zwar noch nie in Mexiko, aber wenn mir im grauen nassen Herbst nach Sonne, Strand und Palmen ist, dann hilft ein Tequila Sunrise schon sehr. Ähnlich wie mir scheint es auch Paco und Mick zu gehen, die gleich eine ganze YouTube-Video-Serie der Suche nach “DEM” einen, legendären Tequila widmen.

Ihr könnt Paco & Micks Reise auch auf ihrer Website folgen (hier klicken).