Am 30. Oktober 2026 ging das ehemalige Hilton Frankfurt Gravenbruch in Neu-Isenburg, gut 15 km südöstlich von Frankfurt gelegen, an die britische Comer Group International über. Die Kaufverträge sind laut Insolvenzverwalter Joachim Kühne unterzeichnet und rechtswirksam. Ausgelöst hatte die Insolvenz des Fünf-Sterne-Hauses eine US-Sanktion vom 10. Juli 2026 gegen den iranischen Finanzier und Hotelinvestor Ali Ansari. Seit Mitte August kamen keine Gäste mehr, das Luxushotel verfiel in einen Dornröschenschlaf.
Wie wir berichteten, setzte das US-Finanzministerium den Ausgangspunkt, indem das Office of Foreign Assets Control (OFAC, die Sanktionsbehörde des US-Treasury) am 10. Juli 2026 Ali Ansari auf seine Sanktionsliste setzte. Das Treasury beschreibt ihn als in Dubai ansässigen Finanzier für das Büro von Mojtaba Khamenei, Sohn des iranischen Religionsführers. Mitgelistet wurde Ansaris Holding Smart Global Limited.
Die Folgen trafen zwei Frankfurter Häuser gleichzeitig. Hilton kündigte die Managementverträge für das Gravenbruch und das Hilton Frankfurt City Centre, um rechtliche und wirtschaftliche Risiken auf dem US-Markt zu vermeiden. Am 30. Juli folgten EU-Sanktionen gegen Ansari. Die deutsche Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung stellte daraufhin mehrere Konten von Gesellschaften sicher, die nach ihrer Einschätzung unter Ansaris Kontrolle standen, darunter die Konten der Hotelgesellschaft.
Ab Donnerstag, 13. August 2026, lief das Haus nur noch im Notbetrieb. Mit eingefrorenen Geschäftskonten brach die operative Grundlage weg. Geschäftsführer Werner Kleber schilderte die Lage gegenüber der Hessenschau: „Wir können keine Brötchen mehr bestellen.“ Ein Wasserrohrbruch blieb unrepariert, weil weder Geld noch beauftragbare Fachfirmen zur Verfügung standen. Das Verwaltungsgericht Köln lehnte Anfang Oktober einen Eilantrag ab und bestätigte, dass die gesperrten Gelder auch nach Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters eingefroren bleiben.
Dass ein operativ funktionierendes Haus an einer verdeckten Eigentümerkette zerbrach, zeigt der Blick ins Handelsregister. Laut Hessenschau war Ansari an zwei Gesellschaften beteiligt: der Allsco GmbH als Eigentümerin der Immobilie und der Allsco Gravenbruch Hotelbetriebsgesellschaft. Über die auf St. Kitts und Nevis registrierte Smart Global Limited war Ansari letztlich auch Eigentümer beider Frankfurter Hilton-Häuser, berichtet Bloomberg.
Ansaris Vorgeschichte reicht weiter zurück. Großbritannien hatte ihn bereits für seine Rolle bei der Finanzierung der iranischen Revolutionsgarden sanktioniert, berichten Times of Israel und Reuters. Zuvor leitete er die iranische Ayandeh Bank. Dem OFAC zufolge nutzte er diese Position, um übermäßige Kredite zu vergeben und milliardenschwere Summen zu veruntreuen, bis die iranische Regierung die Schließung der Bank erzwang. Über Scheinfirmen soll Ansari Vermögen in Deutschland, Luxemburg, Spanien, Großbritannien, Zypern und den Vereinigten Arabischen Emiraten gebündelt haben. Ansari bestreitet die Vorwürfe und kündigte Berufung gegen die britischen Sanktionen an.
US-Finanzminister Scott Bessent ordnete die Maßnahme politisch ein: „Das Finanzministerium wird weiterhin jedes Mittel einsetzen, um ihn und andere Regime-Eliten vom globalen Finanzsystem zu isolieren.“
Der Hotelbetrieb in Gravenbruch läuft seit 1967. Von 1976 bis 2024 führte die Kempinski-Gruppe das Fünf-Sterne-Haus, erst im Herbst 2024 übernahm Hilton das Management per Vertrag. Der Markenwechsel lag beim Insolvenzfall also rund ein Jahr zurück. Zur Betriebsgröße kursieren unterschiedliche Angaben von 225 bis 284 Zimmer. Zur Ausstattung gehören Schwimmbad, Spa und Tennisplätze.
Bei der insolventen Hotelbetriebsgesellschaft waren zuletzt 140 Mitarbeitende beschäftigt. Durch den jetzt gefundenen Investor bekommen die 90 verbliebenen Beschäftigten neue Verträge.
Käufer ist die Comer Group International, ein britischer Immobilienentwickler. Der Erwerber gilt in der Branche als „leistungsfähiger Investor“ mit „jahrzehntelanger Erfahrung im Immobilien- und Hotelgeschäft“. Zentral ist seine Absicherung gegenüber den Sanktionen: Durch die Struktur des Verkaufs sei garantiert, dass Ansari „wirtschaftlich und finanziell keine Vorteile“ aus dem Geschäft ziehe. Für die Comer Group ist Gravenbruch die sechste deutsche Hotel-Adresse und der Einstieg in den Großraum Frankfurt. Die Briten betreiben fünf Hotels in Deutschland, darunter das Hamburg Airport Plaza Hotel. Aus Gravenbruch soll das Flaggschiff im europäischen Portfolio werden.
Der Fall Gravenbruch verschiebt die Risikobewertung für jeden Betrieb, der nicht im Eigentum eines operativ aktiven Hoteliers steht. Entscheidend ist nicht die Auslastung oder der RevPAR (Umsatz pro verfügbarem Zimmer), sondern die Frage, wer am Ende der Eigentümerkette steht. Eine Sanktion gegen einen Gesellschafter kann Geschäftskonten binnen Tagen einfrieren, unabhängig davon, wie gesund das Tagesgeschäft läuft. Im Klartext: Wer als Pächter, Betreiber oder Managementpartner in eine Immobilie einsteigt, sollte die wirtschaftlich Berechtigten bis zur letzten Holding kennen. Konstruktionen über Briefkastengesellschaften in Drittstaaten, wie hier über St. Kitts und Nevis, sind kein Detail für die Rechtsabteilung, sondern ein betriebliches Liquiditätsrisiko. Die Hilton-Reaktion zeigt zudem, wie schnell Marken aus Verträgen aussteigen, wenn US-Marktrisiken drohen, auch bei einem Haus ohne eigenes Verschulden. Quelle: dasHotellerie.com / CM

