InnoTrans 2026 so international wie nie 

Die InnoTrans 2026 setzt zum 15. Geburtstag binnen 30 Jahren Maßstäbe bei ihrer internationalen Beteiligung. Aussteller, Delegationen, Verbände und Entscheidungsträger aus allen Kontinenten machen die Leitmesse für Bahn-Verkehrstechnik zur globalen Plattform für Innovation, Austausch und internationale Zusammenarbeit.

InnoTrans-Direktorin Kerstin Schulz: „Wir erwarten Delegationen aus 18 Ländern und haben Aussteller aus rund 60 Nationen auf dem Berliner Messegelände. Das zeigt einmal mehr, wie wichtig der direkte Austausch ist, um Innovationen voranzutreiben.“ Ein besonderes Highlight der diesjährigen InnoTrans: Erstmals präsentiert sich die California High-Speed Rail Authoritymit einem eigenen Messestand. Insgesamt ist die Beteiligung aus den USA sehr stark: Rund 50 Aussteller, darunter Branchenführer wie Progress Rail, Wabtec und Amsted Rail, unterstreichen die Bedeutung der InnoTrans für den nordamerikanischen Markt.

Zahlreiche internationale Delegationen nutzen die Veranstaltung als zentrale Plattform für den fachlichen Austausch. Dazu zählen u.a. Delegationen von DB E.C.O. North America, Federal Railroad Association (FRA) sowie der Commuter Rail Association. Der erstmals stattfindende und hochkarätige EU-Afrika-Transportdialog (23. September, 12:00 – 14:00 Uhr) stärkt zudem den Austausch zwischen europäischen und afrikanischen Partnern.

Viele Unternehmen aus asiatisch-pazifischem Raum. China beteiligt sich mit bedeutenden Branchenakteuren wie CARS, CAMET und CRRC. Aus Afrika nimmt unter anderem die marokkanische Bahngesellschaft ONCF teil. Aus Südamerika reisen große Delegationen aus Brasilien und Kolumbien an. Die Ukraine ist sowohl mit einem Gemeinschaftsstand als auch mit einer Delegation aus Kiew vertreten.

Darüber hinaus besucht eine Vielzahl von Unternehmen und Verbänden aus dem asiatisch-pazifischen Raum die InnoTrans. Neben dem Gemeinschaftsstand der Australasian Railway Association (ARA) befindet sich der Ländernpavillion von Malaysia. Südkorea ist mit einem Gemeinschaftsstand vertreten; der nationale Branchenverband KORSIA ist zudem mit einem eigenen Stand präsent. Der japanische der Gemeinschaftsstand von JORSA belegt wie zuletzt eine komplette Messehalle.

Die britische Bahnindustrie präsentiert sich mit einem Gemeinschaftsstand der Railway Industry Association (RIA). Aus Österreich beteiligen sich u.a. voestalpine, Plasser & Theurer sowie Advantage Austria. Spanien ist mit dem Branchenverband Mafex, den Unternehmen Talgo und CAF vertreten. Frankreich ist mit Alstom, Business France mit zwei großen Gemeinschaftsständen sowie der SNCF besonders stark repräsentiert. Weitere nationale Gemeinschaftsstände kommen aus Portugal, Dänemark, Ungarn, Belgien, Finnland, Taiwan und Tschechien.

Die fünf Messesegmente der InnoTrans umfassen Railway Technology, Railway Infrastructure, Public Transport, Interiors und Tunnel Construction. Veranstalter der InnoTrans ist die Messe Berlin. Die 15. InnoTrans findet vom 22. bis 25. September 2026 auf dem Berliner Messegelände statt. Quelle: Messe Berlin / CM

Ex-BMW-Designer erhält russische Staatsbürgerschaft

Russlands Präsident Wladimir Putin hat dem früheren BMW-Designer Pierre Leclercq überraschend die russische Staatsbürgerschaft verliehen. Einen entsprechenden Erlass veröffentlichte der Kreml auf seiner Webseite.   

Pierre Leclercq, geboren am 29. Juli 1972 in Bastogne, ist ein belgischer Automobildesigner, der derzeit als Designchef beim französischen Automobilhersteller Citroën tätig ist. Er studierte Industriedesign an der École supérieure des arts Saint-Luc in Lüttich und absolvierte ein Programm für Mobilitätsdesign am Art Center College of Design im kalifornischen Pasadena. Nachdem Leclercq 1998 ein Praktikum bei BMW begonnen hatte, wechselte er 1999 zum italienischen Karosseriebauunternehmen Zagato, verließ dieses jedoch nach drei Monaten wieder, um bei Ford Ghia einzusteigen. Dort entwarf er u.a. den Innenraum der Studie Ford Street Ka. 

Im Jahr 2000 kehrte er zu BMW zurück, wo er dann 13 Jahre lang tätig war. Zu seinen dortigen Projekten zählten der BMW X5 E70, der BMW X6 E71 sowie das Heckdesign des ersten Mini Countryman. Zudem arbeitete er an einem Nachfolger des BMW M1 auf Basis des BMW i8, wobei dieses Projekt letztlich eingestellt wurde.

Von 2013 bis 2017 leitete Pierre Leclercq in China das Designstudio von Great Wall Motors.  Anschließend übernahm er die Position des Designchefs bei Kia, blieb jedoch nur ein Jahr beim südkoreanischen Hersteller. Zuletzt war er Chefdesigner bei Citroën. 

Bekanntlich hat sich BMW aus Russland zurückgezogen. Dieser Tage aber wurde bekannt, dass in Putins Riesenreich weiter SAV-Modelle der deutschen Premiummarke BMW vom Band rollen, dies trotz westlicher Sanktionen und ohne Zustimmung des Münchner Konzerns. In der einst deutschen Großstadt Königsberg in Ostpreußen, heute die russische Enklave Kalinigrad, werden derzeit die russischen BMW-Modelle X5, X6 und X7 in vergleichsweise geringer Stückzahl gebaut.  Die Fahrzeuge entsprechen äußerlich weiterhin dem Modellstand von 2022, werden inzwischen aber als Modelle der Baujahre 2025 oder 2026 zugelassen. Laut russischen Medien sollen auch einzelne lokal beschaffte Bauteile wie Kabelbäume, Schläuche, Gummiteile oder lackierte Karosserieteile verbaut werden, weil Originalteile fehlen. Die Fahrzeugpreise liegen weit über denen der deutschen Listenpreise.  Quelle: Russland heute / AMS / CM

Norwegian Air ändert ihr Logo in das von British Airways…

… nachdem die Fluggesellschaft eine Wette auf den Ausgang des WM-Spiels zwischen England und Norwegen verloren hat. Überraschenderweise gaben die Anwälte von British Airways tatsächlich grünes Licht für das Social-Media-Team der Fluggesellschaft, sich auf diese hitzige Rivalität einzulassen; schon bald saß ein Praktikant von Norwegian Air im Flugzeug nach London – im Gepäck einen USB-Stick mit den Logos der Airline.

Einen Tag vor dem Spiel wurden am Hauptsitz von British Airways in der Nähe des Flughafens London Heathrow USB-Sticks mit den Logodateien übergeben. Das Spiel endete mit einem wenn auch etwas umstrittenen 2:1-Sieg für England: Jude Bellingham, Mittelfeldspieler von Real Madrid, erzielte beide Treffer in Miami.

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Während in England bis tief in die Nacht gefeiert wurde, löste Norwegian Air sein Versprechen ein und tauschte auf seiner Instagram-Seite das eigene Logo gegen das von British Airways aus.

In einem weiteren Beitrag schrieb Norwegian Air: „Auch wenn das Turnier für uns vorbei ist, wird diese freundschaftliche Wette für immer in unseren Herzen bleiben.  Wir wünschen England und British Airways alles Gute für das Halbfinale und hoffen sehr, dass ihr den Fußball nach Hause holt!“

British Airways reagierte daraufhin augenzwinkernd: „Uns gefällt dieser neue Look an Ihnen“, während sich auch die Oneworld-Partnerfluggesellschaft Qantas mit einem Kommentar beteiligte: „Fühlte mich süß – vielleicht lösche ich es später wieder xx“

Auch Malaysia Airlines hob die Einzigartigkeit der Situation hervor: „Respekt für Norwegian! Die meisten Fluggesellschaften brauchen sechs Monate und 14 Genehmigungen, um ein Logo zu ändern.“

Norwegian Air hatte die eigene Fußballnationalmannschaft im Vorfeld des Spiels nachdrücklich unterstützt: Die Kabinen wurden mit norwegischen Flaggen geschmückt, und Passagiere sowie Besatzung wurden dazu ermutigt, am legendären „Viking Row“ (Wikinger-Rudern) teilzunehmen – einer Geste, die mittlerweile zum Markenzeichen der norwegischen Fußballnationalmannschaft geworden ist. Angesichts des neu erwachten Interesses an der Social-Media-Präsenz von Norwegian Air ließ sich die Fluggesellschaft diese großartige Marketinggelegenheit natürlich nicht entgehen.

Stunden nach dem Spiel bot die Fluggesellschaft einen Rabattcode für Passagiere an, die zwischen England und den Zielen der Airline in Norwegen sowie darüber hinaus reisten. In der nicht allzu weit zurückliegenden Vergangenheit forderte Norwegian Air auf den Strecken von London Gatwick nach Nordamerika noch direkt British Airways heraus, als der UK-Nationalcarrier versuchte, auf dem Markt für Billigflüge auf der Langstrecke Fuß zu fassen.

Indes verschärften Wartungsprobleme an den Rolls-Royce-Triebwerken ihrer Boeing-787-Dreamliner-Flotte die finanzielle Situation von Norwegian auf diesen Routen zusätzlich, und es bestand die ernsthafte Sorge, dass die Fluggesellschaft in die Insolvenz rutschen könnte. Letztendlich gab Norwegian ihre Langstreckenpläne auf und zog sich auf ihren Kernmarkt in Norwegen zurück. Wie sich jedoch herausstellte, war dies die beste Entscheidung, die sie hätte treffen können. Nach einer schmerzhaften Umstrukturierung ist die Fluggesellschaft wieder profitabel, wenn auch deutlich kleiner als vor der COVID-19-Pandemie. Quelle: Norwegian / CM

Versorgung Europas mit Kerosin ist in schlechtem Zustand 

Da der brüchige Waffenstillstand mit dem Iran offiziell zwar beendet ist, die Kämpfe um den Zugang zur Straße von Hormus aber durch laufende Raketenangriffe der iranischen Revolutionsgarden und der Reaktion der USA andauern, deuten aktuelle Analysen darauf hin, dass das Risiko eines Versorgungsengpasses bei Flugkraftstoff in Europa weitaus akuter ist, als bisher angenommen wurde. Die schwierige Lage wirkt sich auch auf die Flugpreise und damit negativ auf die Geschäftsreise-Branche aus.

Vor Beginn des Iran-Krieges Ende Februar bezogen Europa und das Vereinigte Königreich den Großteil ihres Flugkraftstoffs aus dem Nahen Osten – vornehmlich aus Kuwait und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Lieferungen erfolgten über monatelange Transportwege, die mit der Passage durch die Straße von Hormus begannen.

Zunächst war die Versorgung mit Flugkraftstoff nicht gefährdet, da sich noch zahlreiche Tanker auf dem Weg nach Europa befanden, die die Straße von Hormus bereits vor Ausbruch des Konflikts passiert hatten. Daraufhin orientierte sich Europa hinsichtlich zusätzlicher Kraftstofflieferungen in Richtung der USA und Kanadas.

Das eigentliche Problem für viele Fluggesellschaften war nicht die physische Verfügbarkeit von Kerosin, sondern der drastische Anstieg der Beschaffungskosten – insbesondere für jene Airlines, die ihren Kerosinbedarf nicht durch Absicherungsgeschäfte („Hedging“) geschützt hatten (bei denen ein fester Preis vereinbart wird, unabhängig von Schwankungen des Großhandelspreises).

Die westliche Luftfahrtbranche atmete kollektiv auf, als US-Präsident Donald Trump im Juni eine Absichtserklärung für einen Waffenstillstand mit Teheran erzielte. Die Straße von Hormus würde wieder geöffnet werden, sodass Hunderte mit Treibstoff beladene und festliegende Schiffe Kurs auf Europa und Asien nehmen könnten – jene Regionen, in denen der Großteil des Öls aus dem Persischen Golf verbraucht wird.

Jetzt aber kommt es ganz anders: Es drohten massenhafte Flugausfälle während der geschäftigen Sommerferienzeit. Zwar versicherten die Airlines ihren Kunden noch vor wenigen Tagen, dass sie ihre Flüge bedenkenlos buchen könnten. Aber es baut sich ein Versorgungsengpass auf, von dem Europa und das Vereinigte Königreich konfrontiert sind. Er erweist sich gravierender als zunächst befürchtet.  Laut Reuters reichen die Kerosinvorräte in Europa nur noch für einen Monat, und das Analysehaus Energy Aspects prognostiziert für das dritte Quartal ein Versorgungsdefizit von 600.000 Barrel (95.392.400 Liter Kerosin) pro Tag.

Die Lage in Europa und Großbritannien ist besonders kritisch, da dortige Raffinerien für Flugkraftstoff in den letzten Jahren stillgelegt wurden, was zu einer starken Abhängigkeit von Lieferungen aus dem Nahen Osten führte. Bislang konnte die Versorgung durch neue Importe aus Kanada, Indien, Nigeria und den Vereinigten Staaten stabil gehalten werden.

Derzeit haben diese Warnungen noch nicht zu Flugausfällen geführt. Zunächst waren die Fluggesellschaften angesichts der Schließung der Straße von Hormus alarmiert, doch diese Panik legte sich rasch, als die Versorgung über andere Länder sichergestellt wurde. Das Ende der Sommersaison stellt jedoch ein Problem dar, da die Fluggesellschaften ihre Flugpläne eigentlich ausweiten müssten, um der saisonalen Nachfrage gerecht zu werden. Das größte Risiko bleiben die hohen Kerosinkosten; es ist davon auszugehen, dass die Flugpreise noch geraume Zeit auf einem hohen Niveau bleiben werden oder sogar noch weiter steigen. Quelle: Reuter / CM

Feuer behindert Geschäftsreiseverkehr auf der Schiene und Straße

Seit einer Woche hat die Hitzewelle Mitteleuropa fest im Griff. In Frankreich gilt in 37 Departements eine rote Hitzewarnung, in 39 weiteren eine orange Warnung des staatlichen Wetterdienstes. Betroffen im ganzen Land sind Bahnverkehr und der auf Autobahnen. Für Hunderttausende Geschäftsreisende bedeuten die Feuer zum Teil massive Verspätungen. 

In Fontainebleau bei Paris wurden wegen eines riesigen Waldbrands bereits die Feierlichkeiten am Dienstag, 14. Juli, dem französischen Nationalfeiertag abgesagt. In vielen anderen Orten hat man wegen der Brandgefahr auf die traditionellen Feuerwerke am 14. Juli verzichtet.

Der Waldbrand im Wald von Fontainebleau ist der drittgrößte in der nördlichen Hälfte des Landes seit 2006. Mindestens 800 Hektar wurden von dem Brand erfasst, der am Sonntag im Wald von Fontainebleau, einem etwas mehr als 20.000 Hektar großen Waldgebiet, ausgebrochen war

Die SNCF bestätigte, dass fast alle TGV- und Ouigo-Züge aus Süd- und Südostfrankreich sowie aus der Schweiz mit Verspätungen von zwei bis drei Stunden und mehr den Gare de Lyon in Paris erreichen, weil die Züge aufgrund der Hitze oft nur mit verminderter Geschwindigkeit fahren dürfen. Gleiches wird von den Zügen aus Paris nach Genf, Lyon und Marseille berichtet. Zudem kann die Hochgeschwindigkeitsstrecke von Paris nach Süden wegen eines Waldbrands östliche von Sens (120 km südöstlich von Paris) nicht befahren werden. Alle TGV und Ouigo-Züge werden hier über die Altbaustrecke umgeleitet.

Was die Störungen auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke LGV Sud-Est betrifft, wird der „Plan Pégase“ bei verspäteten Ankünften in Paris in Kraft gesetzt. Dieser Plan, dessen Name für „Plan contre l’Engorgement des Gares en Situation Exceptionnelle“ (Plan gegen Überlastung von Bahnhöfen in Ausnahmesituationen) steht, wurde vom Innenministerium ins Leben gerufen, um das Management an Bahnhöfen zu verbessern, wenn Großereignisse den Bahnverkehr nachhaltig beeinträchtigen. Quelle:  Radio France /  SNCF / CM

MHP Hotel AG: Pachtvertrag für neues Autograph Collection-Hotelprojekt in Düsseldorf 

Die Münchner MHP Hotel AG („MHP“) hat einen Pachtvertrag für ein neues Hotel der Autograph Collection in Düsseldorf unterzeichnet. Bis 2029 entsteht im Gebäudeensemble an der Kasernenstraße in unmittelbarer Nähe zur Königsallee ein Premiumhotel mit rund 180 Zimmern. Das Hotel soll die Geschichte des Ortes aufgreifen und mit zeitgemäßer Architektur, individueller Gestaltung und internationaler Gastlichkeit verbinden. Ein entsprechender Franchisevertrag mit Marriott International wurde abgeschlossen.

Der Projektentwickler des Bauvorhabens ist Midstad, mit dem MHP bereits erfolgreich zusammenarbeitet. Mit dem Bauvorhaben entwickelt Midstad einen zentralen Innenstadtstandort zu einem modernen, gemischt genutzten Quartier weiter. Die Immobilien Kasernenstraße 6 und Carsch-Haus werden funktional und architektonisch wieder stärker miteinander verbunden. Neben hochwertigen Handels- und Gastronomieflächen bildet das neue Hotel einen wesentlichen Baustein der zukünftigen Nutzung und soll zur dauerhaften Belebung des Standorts beitragen.

Die MHP Hotel AG unterzeichnete einen Pachtvertrag für ein neues Hotelprojekt in Düsseldorf. Das Hotel der Autograph Collection entsteht bis 2029 im historischen Gebäudeensemble Kasernenstraße und Carsch-Haus. Rendering: MHP

Das Carsch-Haus gehört zu den bekanntesten historischen Geschäftshäusern Düsseldorfs. Der von Otto Engler entworfene neoklassizistische Bau wurde 1915 als exklusives Kaufhaus für Herren- und Knabenmode eröffnet und prägte mit seiner repräsentativen Sandsteinfassade früh das Stadtbild. Für den Bau des U-Bahnhofs Heinrich-Heine-Allee musste das denkmalgeschützte Gebäude Anfang der 1980er-Jahre abgetragen werden. Zwischen 1979 und 1984 wurden die historischen Fassadenelemente versetzt und das Haus an seinem heutigen Standort originalgetreu wiederaufgebaut.

Nach Jahren mit eingeschränkter Nutzung und nur teilweise ausgeschöpftem Potenzial erhält der Standort nun im Rahmen der Neuentwicklung eine neue Perspektive. Im Zuge der Revitalisierung werden historische Bausubstanz und zeitgemäße Architektur miteinander verbunden. Das Bestandsgebäude an der Kasernenstraße wird umfassend modernisiert und um eine Etage aufgestockt. Ziel ist es, einen nachhaltigen und zukunftsfähigen Innenstadtstandort mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen, der an die Geschichte des Ortes anknüpft und gleichzeitig neue Nutzungen ermöglicht. Es wird eine DGNB-Zertifizierung für Bestandsgebäude in Platin sowie die WiredScore-Zertifizierung Platinum angestrebt. Mehr als ein Jahrhundert später wird die Geschichte des Ortes nun erneut fortgeschrieben.

Die NRW-Hauptstadt Düsseldorf zählt als Wirtschafts-, Messe- und Modestandort zu den dynamischsten Metropolen Deutschlands und gehört zu den Top-Seven-Hotelmärkten des Landes. Die prominente Lage in unmittelbarer Nähe zur Königsallee bietet hohe Sichtbarkeit und ideale Voraussetzungen für ein Premiumhotel mit eigenständigem Charakter. Damit entspricht das Projekt dem Selbstverständnis der Autograph Collection, deren Häuser weltweit unter dem Motto „Exactly Like Nothing Else“ für individuelle Architektur, besondere Geschichten und ein unverwechselbares Gästeerlebnis stehen. Als Teil des Marriott Bonvoy-Programms mit weltweit über 230 Mio. Mitgliedern profitiert das Hotel von einem der leistungsstärksten Loyalitätsnetzwerke der Branche. Dies ist ein struktureller Nachfragevorteil, der sich direkt in Auslastung und Erlöspotenzial niederschlagen soll. 

MHP erwartet für das Hotel im stabilisierten Betrieb einen Jahresumsatz von über 20 Mio. Euro. Dr. Jörg Frehse, CEO der MHP Hotel AG: „Mit diesem Projekt sichern wir uns einen weiteren langfristig attraktiven Standort in einer der stärksten deutschen Hotelmetropolen. Das Ensemble in der Düsseldorfer Innenstadt verbindet außergewöhnliche architektonische Qualität mit erheblichem Entwicklungspotenzial und einer international etablierten Marke. Unser Asset-Light-Modell erlaubt es uns, erstklassige Standorte zu sichern, ohne eigenes Kapital in Immobilien zu binden und genau das gibt uns die Geschwindigkeit, die für diese Art von Wachstum entscheidend ist. Damit erweitern wir unser Portfolio um ein Hotel, das sowohl strategisch als auch wirtschaftlich hervorragend zu MHP passt.“

Dr. Kevin Meyer, Geschäftsführer bei Midstad: „Mit der Neuentwicklung an der Kasernenstraße schaffen wir weit mehr als ein Hotel. Unser Ziel ist die nachhaltige Transformation eines prägenden Innenstadtstandorts zu einem lebendigen und zukunftsfähigen Nutzungsmix aus Hotel, Einzelhandel, Gastronomie und öffentlichem Leben. Das Hotel der Autograph Collection wird dabei ein wichtiger Ankerbaustein des Gesamtkonzepts. Mit MHP haben wir einen erfahrenen Betreiber gewonnen, der die besondere Geschichte und Identität dieses Standorts in ein eigenständiges Hospitality-Konzept übersetzen kann. Gemeinsam schaffen wir einen Ort, der die Tradition des Carsch-Hauses respektiert und zugleich neue Impulse für die Düsseldorfer Innenstadt setzt.“

Für MHP ist das neue Hotelprojekt ein weiterer Schritt in der konsequenten Umsetzung der Wachstumsstrategie im Premium- und Luxussegment. Das Unternehmen baut sein Portfolio gezielt an etablierten Standorten in der DACH-Region aus und setzt auf internationale Marken, langfristige Betreiberverträge und Immobilien mit hohem Repositionierungs- oder Entwicklungspotenzial. Das kapitalschonende Pacht- und Franchisemodell ermöglicht dabei eine konsequente Portfolioerweiterung ohne Immobilienrisiko und schafft die Grundlage für skalierbares Wachstum im Premium- und Luxussegment. Quelle: MHP / CM

Unbewirtschaftete Autobahn-Rastplätze sind „unter aller Sau“

Der ADAC hat im Rahmen eines aktuellen Tests 50 unbewirtschaftete Rastplätze an deutschen Autobahnen aus seinem Tests 2022 wiederholt untersucht. Das Ergebnis fällt dabei deutlich schlechter aus als beim letzten Mal: Fast die Hälfte der Rastplätze (46 %) erhält die Bewertung „mangelhaft” oder „sehr mangelhaft”. Gleichzeitig halbierte sich der Anteil guter Rastplätze nahezu: Er sank von 40 % im Jahr 2022 auf nur noch 18 %. Ein „sehr gut“ erreicht kein einziger Rastplatz. 

Knapp zwei Drittel der Anlagen haben sich im Vergleich zu 2022 verschlechtert, nur acht Prozent konnten ihr Ergebnis verbessern. Die größten Defizite zeigen sich bei den Toilettenanlagen: 62 % der Rastplätze erhalten in der Kategorie „Sanitäre Anlagen“ die Bewertung „mangelhaft“ oder „sehr mangelhaft“. Ich sage sogar, über 0 % sind unter aller Sau. Auf sechs Anlagen musste ein K.O. oder Teil-K.O. aufgrund gesperrter Toiletten ausgesprochen werden. Oft sind aber auch schon grundlegende Funktionen nicht zuverlässig gewährleistet. So fehlen Seifenspender oder sind defekt, Handtrockner funktionieren nicht, Toilettenpapier ist (teilweise) nicht vorhanden und die Sauberkeit lässt vielfach zu wünschen übrig. Meist sind die WCs so gut wie nicht benutzbar, da vollkommen verdreckt. Ich habe den Eindruck, dass es viele „Dreckschweine“ gibt. Nicht selten handelt es sich um Trucker, die es in ihrer Heimat nicht anders kennen, als die WCs nach ihrem Toilettengang zu säubern, die Müller hinterlassen, die oft an den Begrenzungszäunen der Rastanlagen ihre „große“ Notdurft verrichten, Auch der bauliche Zustand und die Ausstattung der barrierefreien Toiletten entsprechen i.d.R. nicht den Erwartungen. Damit erweisen sich die Sanitäranlagen als zentrale Schwachstelle unbewirtschafteter Rastplätze, sind aber gleichzeitig der häufigste Grund für deren Nutzung. 

Die Kategorie „Verkehr und Parken“ schneidet dagegen erneut vergleichsweise positiv ab, meint der ADAC, wir und nicht nur wir sehen das genaue Gegenteil. Mit “gut“ erzielt „Verkehr und Parken“  das beste Kategorieergebnis im Test. Die meisten Rastplätze sind verkehrssicher angelegt. Das ist aber auch schon alles. Verbesserungsbedarf besteht jedoch bei den Stellplätzen für Pkw mit Anhängern, Gespanne und Wohnmobile: Auf 38 P% der Anlagen fehlen entsprechende Parkmöglichkeiten. Nicht in der Wertung, aber eine auffällige Entwicklung: Auf acht der 50 Rastplätze waren Schrottautos abgestellt. Das ist nach unserer Beobchtung häufig an der A3 zwischen Würzburg und Frankfurt der Fall. Auch sind diese unbewirtschafteten Rastanlagen meist vollkommen vermüllt. So säumen üerall Millionen von Zigarettenkippen die Straßenränder und Ruheplätze mit Tischen und Bänken, die ebenfalls i.d.R. zugemüllt sind. 

Geradezu katastrophal ist die Situation mit den beginnenden Abendstunden. Da parken oft hunderte von Lkw kreuz und quer, stellen insbesondere alle Pkw-Stellplätze der Bereiche, die eigentlich für Pkw gedacht sind, zu. Auch blockieren sie i.d.R. die Zufahrten zu den Rastanlage dergestalt, dass man selbst mit dem Pkw so gut wie nicht mehr  parken kann. Das Bundesverkehrsministerium schaut dem vollkommen irren Treiben einfach zu, ohne auch nur die geringste Redaktion zu zeigen. Und Autobahnpolizei sieht man auch vergeblich.  

Die „Außenanlagen“ erreichen insgesamt nur ein mittleres Niveau. Zwar sind die grundlegenden Einrichtungen vorhanden, es mangelt jedoch häufig an Aufenthaltsqualität. Spazierwege, Bewegungs- oder Spielflächen sowie ausreichender Lärmschutz fehlen auf vielen Anlagen. Nur zwei der 50 getesteten Rastplätze verfügen über einen Spielplatz und keine der getesteten Anlagen bietet eine Frischwasserversorgung für Wohnmobile.

Auch beim Sicherheitsgefühl besteht Optimierungsbedarf. Insgesamt erreicht die Kategorie „Persönliche Sicherheit“ lediglich ein allenfalls ausreichendes Ergebnis. Defizite zeigen sich vor allem bei der Beleuchtung der Parkflächen, der Einsehbarkeit der Toilettengebäude und der Notrufeinrichtungen. Auf jedem fünften Rastplatz fehlt ein Notruf vollständig. Positiv bewertet der ADAC hingegen, dass auf allen Anlagen Handyempfang vorhanden ist und alle Toilettengebäude nachts beleuchtet werden, die man aber besser aus den genannten Gründen nicht aufsucht.

Eine begleitende Nutzerbefragung bestätigt die Testergebnisse: Für die Befragten ist Sauberkeit der mit Abstand wichtigste Aspekt eines Rastplatzes. Gleichzeitig wird sie als größtes Problem wahrgenommen. 61 % der Befragten nutzen Rastplätze vor allem deshalb, weil sie die nächstgelegene Möglichkeit zum Anhalten darstellen. Entsprechend verhalten fällt die Zufriedenheit aus: 42 % der Befragten sind mit den Gegebenheiten (sehr) unzufrieden, wir würden sagen, dass es außer den „Ferkeln“ kaum jemanden geben kann, der auch nur annähern zufrieden sein kann. . 

Der ADAC dokumentierte darüber hinaus auf 96 Prozent der getesteten Rastplätze unterschiedliche Formen von Vandalismus: von Graffiti über die Zerstörung von Inventar bis hin zum Anbringen von Stickern – letzteres oft so exzessiv, dass Wegbeschilderungen nicht mehr lesbar waren.

Unbewirtschaftete Rastplätze erfüllen ihre grundlegende Funktion als Ort für eine Pause während der Fahrt. Die Ergebnisse zeigen jedoch deutlichen Handlungsbedarf, insbesondere bei den Sanitäranlagen. Saubere und funktionierende Toiletten, eine sichere Gestaltung und eine angemessene Ausstattung gehören aus Sicht des ADAC zur Grundversorgung von Rastplätzen und sollten auf allen Anlagen zuverlässig gewährleistet sein. Und der Lkw-Wahnsinn sollte wirklich in Griff zu bekommen sein, indem man deutschlandweit den Lkw-Durchgangsverkehr auf den Straßen verbietet. Auf den meisten Bahnmagistralen fahren nur noch wenige Güterzüge. Wie man es besser macht zeigen die USA. Dort findet Güterverkehr zum Großteil auf der Schiene statt. Und im Land der unbegrenzten Möglichkeiten sind alle Rastanlagen blitzsauber, könnte man so man möchte, auch auf den blitzsauberen WC-Anlagen sein Essen verzehren.  Zuständig für die deutschen vollkommen versifften Rastplätze an Autobahnen sind die Niederlassungen der Autobahn GmbH des Bundes. Quelle: ADAC / CM

Übernahmekampf um EasyJet verschärft sich 

EasyJet hat ein höheres Übernahmeangebot in Höhe von 5,7 Mrd.  Britische Pfund  (6,68 Mrd. Euro) von der US-Investmentgesellschaft Apollo Global Management  Inc. erhalten. Dies lässt einen Bieterwettstreit erwarten – nur wenige Tage, nachdem die Billigfluggesellschaft erklärt hatte, sie sei bereit, ein konkurrierendes Angebot von Castlelake, einer weiteren US-Investmentfirma, zu akzeptieren.

Das in New York City residierende Unternehmen Apollo, 1990 gegründet,  bietet 7,15 Pfund (8,38 Euro) pro Aktie in bar, was EasyJet dazu veranlasste, die Unterstützung für das frühere Angebot von Castlelake (6,90 Pfund pro Aktie) zurückzuziehen. Der Verwaltungsrat hatte diesem Angebot Anfang der Woche „grundsätzlich“ zugestimmt, nachdem zuvor vier Angebote von Castlelake abgelehnt worden waren.

Nach Castlelake wirft mit Apollo Inc. ein zweites US-Investmentunternehmen in Sachen EasyyJet-Übernehmen seinen Hut in den Ring. Foto Apollo Global Management Inc.,

In einer Mitteilung an die Investoren am Freitag erklärte EasyJet, das Angebot von Apollo biete „eine attraktive Kombination aus Wert, strategischer Ausrichtung und langfristiger Führung des Unternehmens“, und bestätigte, man sei „nicht mehr gewillt“, das konkurrierende Angebot von Castlelake zu empfehlen.

Das Angebot von Apollo ist die jüngste Entwicklung in einem monatelangen Übernahmeprozess. Castlelake hatte sein Angebot fünfmal nachgebessert, bevor EasyJet Gespräche zur Due-Diligence-Prüfung (eingehende Unternehmensprüfung) und Einsicht in Finanzdaten gewährte. Experten erwarten, dass Castlelake nun mit einem höheren Angebot als Apollo aufwarten könnte. 

Die von Castlelake vorgeschlagene Struktur hätte dem Unternehmen einen Anteil von 49 % an EasyJet verschafft, während die verbleibenden 51 % von EU-Bürgern – darunter die ehemaligen Airline-Manager Peter Bellew und Mark Breen – kontrolliert worden wären. Diese Struktur wäre erforderlich gewesen, um die EU-Vorschriften zur Mehrheitseigentümerschaft bei Fluggesellschaften zu erfüllen.

Apollo plant unterdessen, EasyJet-Aktionären die Möglichkeit zu bieten, ihre bestehenden Anteile in jenes Investitionsvehikel einzubringen, über das die Apollo-Fonds ihre Beteiligung an der Fluggesellschaft halten würden. EasyJet teilte mit, dass die Bedingungen einer solchen Investition noch Gegenstand weiterer Gespräche und Vereinbarungen seien.

Zudem bemühen sich die Amerikaner, Mitarbeiter von EasyJet und Investoren zu beruhigen: Apollo habe nicht die Absicht, das Unternehmen zu zerschlagen. In einer am Freitag veröffentlichten Erklärung hieß es, Apollo sei der Ansicht, dass die operativen und geschäftlichen Ambitionen des EasyJet-Managements durch den Zugang zu zusätzlichem Kapital sowie durch die langfristige geschäftliche und strategische Planung – wie sie das Umfeld eines privat geführten Unternehmens biete – erheblich beschleunigt werden könnten. Ergänzend wurde mitgeteilt, dass Apollo großen Wert auf die Belegschaft lege und davon ausgehe, dass die Identifizierung und Bindung von Schlüsselkräften innerhalb der EasyJet-Gruppe von entscheidender Bedeutung sein werde.

EasyJet wiederum spielt jetzt auf Zeit, um den Verkaufspreis möglichst hoch zu treiben. Die Unternehmensführung Aktionären, zum jetzigen Zeitpunkt „keine Maßnahmen zu ergreifen“. Quelle: EaasyJet / Apollo Global Management  Inc.  / CM

Australien schafft Papier-Einreisekarte ab

In Australien steht die orangefarbene Papier-Einreisekarte vor dem Aus. Die Regierung unter Premierminister Anthony Albanese hat offiziell das Ende der analogen Zettelwirtschaft an den Staatsgrenzen eingeleitet. Nach einem erfolgreichen Pilotprojekt auf ausgewählten Qantas-Flügen nach Sydney, Melbourne und Brisbane wird die digitale Zollerklärung (Australia Traveller Declaration) nun schrittweise an allen internationalen Flughäfen und Seehäfen des Landes eingeführt. 

Ziel ist es, den bürokratischen Aufwand bei der Einreise zu reduzieren und manuelle Abläufe zu minimieren. Über die nächsten vier Jahre investiert die Regierung von Down Under gut 56,1 Mio. AUD in die Erneuerung der Flughafensysteme

Das Prinzip hinter der digitalen Deklaration orientiert sich an internationalen Vorreitern wie Singapur, Japan oder Neuseeland. (Gechäfts)Reisende können ihre persönlichen Daten sowie die obligatorischen Angaben zu Biosicherheit und Zoll (wie Lebensmittel oder pflanzliche Produkte) bis zu drei Tage vor dem Abflug eingeben. Danach generiert das System einen digitalen Pass mit einem eindeutigen QR-Code. Dieser wird in der App oder per E-Mail bereitgestellt. Bei der Ankunft in Australien wird der QR-Code von den Beamten der Australian Border Force gescannt – das zeitintensive Prüfen handschriftlicher Karten entfällt.

Derzeit läuft das System noch in einer Testphase via Qantas-App, an der bereits über 450.000 Passagiere teilgenommen haben. Bis Ende 2026 soll der Versuch auf weitere Hauptstädte wie Perth und Adelaide ausgeweitet werden. In den darauffolgenden 12 bis 18 Monaten wird die digitale Erklärung dann flächendeckend für alle Fluggesellschaften via Webformular ausgerollt. Später soll das Tool direkt in die Apps der jeweiligen Airlines integriert werden. Wer kein Smartphone besitzt oder keinen Internetzugang hat, muss jedoch nicht bangen: Für den Übergang bleiben die klassischen Papierformulare weiterhin als Alternative verfügbar.

Die Regierung von Down Under verspricht sich handfeste Vorteile für die nationale Sicherheit. Durch die digitale Erfassung im Vorfeld verbessert sich die Datenqualität für Risikobewertungen erheblich. Behörden können so im Falle von globalen Biosicherheitsrisiken – wie dem Ausbruch von Tierseuchen oder Pflanzenkrankheiten – blitzschnell reagieren. Laut Schätzungen könnten moderne Grenzabläufe der australischen Wirtschaft jährlich zusätzliche 50 Mrd. AUD einbringen.

Da die Zahl der internationalen Reisenden laut Prognosen von 8,8 Mio. in 2025 auf fast 11 Mio. bis zum Jahr 2030 steigen wird – und mit den Olympischen Spielen 2032 in Brisbane ein weiteres großes Event ansteht –, kommt die digitale Transformation gerade rechtzeitig. Quelle: The Australian / CM

Immer mehr Gewalt in Zügen gegen Bahnbedienstete

Das Deutsche Zentrum für Schienenverkehrsforschung beim Eisenbahn-Bundesamt (DZSF) hat die Ergebnisse des Forschungsprojekts „Gewalt gegen Bahnbeschäftigte – Analyse, Vorsorge, Nachsorge“ veröffentlicht.  Vom 04. Februar bis zum 19. März 2025 wurde online eine Befragung von Bahnbeschäftigten mit direktem Kundenkontakt in Deutschland durchgeführt. In die Auswertung flossen die Antworten von 2.002 Befragten ein. 42,4 %  der Befragten gaben an, dass das Kontrollieren von Fahrscheinen zu ihrem Aufgabenbereich gehört. 

Der Forschungsbericht liefert erstmals eine umfassende Analyse der Entstehungsbedingungen von Gewalt gegen Beschäftigte im Bahnsektor in Deutschland und zeigt praxisnahe Ansätze auf, wie Unternehmen ihre Mitarbeitenden wirksamer schützen können.

Die Untersuchung, welche die Kienbaum Consultants International GmbH und das Institut für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung (IKG) der Universität Bielefeld im Auftrag des DZSF durchgeführt haben, macht deutlich, dass Gewalt gegen Bahnbeschäftigte meist durch das Zusammenwirken verschiedener Faktoren entsteht. Das können konfliktträchtige Kontrollsituationen, betriebliche Belastungen wie Verspätungen oder hohes Fahrgastaufkommen, aber auch organisatorische Rahmenbedingungen sein.

Für die Studie wurden die Erfahrungen der Sicherheitsbeauftragten von 31 Eisenbahnverkehrsunternehmen sowie über 2.000 Bahnbeschäftigten jeweils mit standardisierter Online-Befragung erhoben. Die Ergebnisse der Auswertung zeigen u.a.,  dass insbesondere Fahrausweiskontrollen ein erhöhtes Konfliktpotenzial bergen. Denn es halten sich nicht wenige meist gewaltbereite Männer ohne gültigen Fahrausweis in den Zügen auf. Die Studie verdeutlicht aber auch, dass klare Handlungsspielräume, erreichbare Unterstützungssysteme und realitätsnahe Trainings die Sicherheit der Beschäftigten stärken können.

Sinkende Hemmschwelle zu Gewalt. Viele Unternehmen berichten von einer wahrnehmbar angespannten gesellschaftlichen Atmosphäre, sinkender Hemmschwelle zur Gewalt und zunehmendem Respektverlust – insbesondere gegenüber Beschäftigten im öffentlichen Raum. Wiederholt wurde betont, dass das Problem der Gewalt stärker öffentlich sichtbar gemacht und Gegenstrategien gesamtgesellschaftlich adressiert werden müssen.   Die große Mehrheit der befragten Unternehmen stuft die bestehenden Vorkehrungen zum Schutz von Beschäftigten mit Kundenkontakt als nicht ausreichend ein. Nur ein Viertel der Bahnuunternehmen bewertet sie als „eher ausreichend“ oder „ausreichend“.

Herausforderungen & Hindernisse. Neben der Bewertung einzelner Maßnahmen wurden die befragten Unternehmen auch um eine Einschätzung struktureller und organisatorischer Hürden gebeten, die einer wirksamen Gewaltprävention und -nachsorge im Weg stehen. So stellt ein Mangel an personellen Kapazitäten aus Sicht der Mehrheit ein zentrales Hindernis dar: 71,0 %  bewerten diesen Aspekt als relevant, weitere 22,6 % als eher relevant. Auch finanzielle Einschränkungen zählen zu den häufig genannten Hürden. 64,5 % stufen sie als relevant ein. Wissenslücken über typische Situationen, in denen Gewalt entstehen kann, erschweren nach Einschätzung von 29,0 % die gezielte Maßnahmenplanung; weitere 25,8 % sehen dies als eher relevant. Elf Unternehmen (35,5 %) bewerten diesen Punkt hingegen als weniger bedeutsam.

Auch in den offenen Rückmeldungen wurde eine Reihe zusätzlicher Herausforderungen genannt: insbesondere fehlende Handlungsspielräume aufgrund restriktiver Verkehrsverträge, unzureichende Finanzierung durch die Aufgabenträger, eine als gering empfundene gesellschaftliche Priorisierung des Themas sowie Datenschutzbedenken – etwa im Kontext von Videoüberwachung oder Bodycams. Einzelne Unternehmen kritisierten zudem mangelndes Problembewusstsein im eigenen Betrieb oder komplexe interne Strukturen, die eine schnelle Reaktion auf Vorfälle erschweren.

Wo Handlungsbedarf oder Schutzlücken bestehen. Viele Maßnahmen sind grundsätzlich vorhanden und werden in der Praxis vor allem anlassbezogen eingesetzt – insbesondere personelle und organisatorische Vorkehrungen wie der zusätzliche Einsatz von Sicherheitspersonal oder der temporäre Verzicht auf Fahrausweiskontrollen. Technische Schutzlösungen wie Bodycams oder diskrete Hilferufsysteme sind nur punktuell etabliert. Am weitesten verbreitet und strukturell am stärksten verankert sind hingegen Schulungsformate – etwa verpflichtende Deeskalationstrainings – sowie psychosoziale Unterstützungsangebote für Beschäftigte nach Gewalterfahrungen. Die beiden letztgenannten „Schutzlösungen“ bringen i.d.R. gar nichts. Erfahrungen vieler Länder zeigen, dass nur drakonische Geld- und Freiheitsstrafen für Gewalttäter Sinn machen. 

Die allermeisten Befragten (95,9 %) berichteten, dass ihr Arbeitgeber ihnen keine Bodycam zur Verfügung stelle. Rund jeder oder jede Zehnte des fahrscheinkontrollierenden Personals gab jedoch an, eine Bodycam – meist auf freiwilliger Basis – nutzen zu können [erfragt vor dem Entschluss der DB AG, jedem Mitarbeiter im Kundenkontakt eine Bodycam zur Verfügung zu stellen].

Einen Abwehrspray führten 17 % des kontrollierenden und 11 % des nicht-kontrollierenden Personals bei sich. Die meisten dieser Befragten gaben an, es regelmäßig oder immer mitzuführen. Etwas mehr als die Hälfte der Befragten verfügte über eine mobile Hilferufmöglichkeit (z. B. per Handy-App, Smartwatch oder Notfallknopf), die sie ständig bei sich tragen konnten. 

Weniger als jeder oder jede zehnte Befragte im kontrollierenden Bereich hatte keinen Zugang zu einem verschließbaren Rückzugsraum. Ein generelles Alkoholkonsumverbot in den Zügen, in denen sie tätig waren, wurde von der Mehrheit

der Befragten verneint. Unter den fahrscheinkontrollierenden Befragten traf dies auf rund drei Viertel (76,4 %) zu.  Die Durchsetzung eines Alkoholverbots lag deutlich häufiger im Aufgabenbereich des fahrscheinkontrollierenden Personals.

Die fahrscheinkontrollierenden Befragten wurden zusätzlich zu unternehmensseitigen Rahmenbedingungen in Kontrollsituationen befragt. Knapp ein Fünftel gab an, dass die Entscheidung, in Einzelfällen auf die Fahrscheinkontrolle zu verzichten, nicht im eigenen Ermessen liege. Die übrigen Befragten konnten dies entweder selbstbestimmt (39,3 %) oder im Rahmen klarer Vorgaben ihres Unternehmens (44,4 %) entscheiden. Quelle: Deutsches Zentrum für Schienenverkehrsforschung beim Eisenbahn-Bundesamt / CM