Britische Comer Group International übernimmt das Hilton Frankfurt Gravenbruch 

Am 30. Oktober 2026 ging das ehemalige Hilton Frankfurt Gravenbruch in Neu-Isenburg, gut 15 km südöstlich von Frankfurt gelegen, an die britische Comer Group International über. Die Kaufverträge sind laut Insolvenzverwalter Joachim Kühne unterzeichnet und rechtswirksam. Ausgelöst hatte die Insolvenz des Fünf-Sterne-Hauses eine US-Sanktion vom 10. Juli 2026 gegen den iranischen Finanzier und Hotelinvestor Ali Ansari. Seit Mitte August kamen keine Gäste mehr, das Luxushotel verfiel in einen Dornröschenschlaf. 

Wie wir berichteten, setzte das US-Finanzministerium den Ausgangspunkt, indem das Office of Foreign Assets Control (OFAC, die Sanktionsbehörde des US-Treasury) am 10. Juli 2026 Ali Ansari auf seine Sanktionsliste setzte. Das Treasury beschreibt ihn als in Dubai ansässigen Finanzier für das Büro von Mojtaba Khamenei, Sohn des iranischen Religionsführers. Mitgelistet wurde Ansaris Holding Smart Global Limited.

Die Folgen trafen zwei Frankfurter Häuser gleichzeitig. Hilton kündigte die Managementverträge für das Gravenbruch und das Hilton Frankfurt City Centre, um rechtliche und wirtschaftliche Risiken auf dem US-Markt zu vermeiden. Am 30. Juli folgten EU-Sanktionen gegen Ansari. Die deutsche Zentralstelle für Sanktionsdurchsetzung stellte daraufhin mehrere Konten von Gesellschaften sicher, die nach ihrer Einschätzung unter Ansaris Kontrolle standen, darunter die Konten der Hotelgesellschaft.

Ab Donnerstag, 13. August 2026, lief das Haus nur noch im Notbetrieb. Mit eingefrorenen Geschäftskonten brach die operative Grundlage weg. Geschäftsführer Werner Kleber schilderte die Lage gegenüber der Hessenschau: „Wir können keine Brötchen mehr bestellen.“ Ein Wasserrohrbruch blieb unrepariert, weil weder Geld noch beauftragbare Fachfirmen zur Verfügung standen. Das Verwaltungsgericht Köln lehnte Anfang Oktober einen Eilantrag ab und bestätigte, dass die gesperrten Gelder auch nach Bestellung eines vorläufigen Insolvenzverwalters eingefroren bleiben.

Dass ein operativ funktionierendes Haus an einer verdeckten Eigentümerkette zerbrach, zeigt der Blick ins Handelsregister. Laut Hessenschau war Ansari an zwei Gesellschaften beteiligt: der Allsco GmbH als Eigentümerin der Immobilie und der Allsco Gravenbruch Hotelbetriebsgesellschaft. Über die auf St. Kitts und Nevis registrierte Smart Global Limited war Ansari letztlich auch Eigentümer beider Frankfurter Hilton-Häuser, berichtet Bloomberg.

Ansaris Vorgeschichte reicht weiter zurück. Großbritannien hatte ihn bereits für seine Rolle bei der Finanzierung der iranischen Revolutionsgarden sanktioniert, berichten Times of Israel und Reuters. Zuvor leitete er die iranische Ayandeh Bank. Dem OFAC zufolge nutzte er diese Position, um übermäßige Kredite zu vergeben und milliardenschwere Summen zu veruntreuen, bis die iranische Regierung die Schließung der Bank erzwang. Über Scheinfirmen soll Ansari Vermögen in Deutschland, Luxemburg, Spanien, Großbritannien, Zypern und den Vereinigten Arabischen Emiraten gebündelt haben. Ansari bestreitet die Vorwürfe und kündigte Berufung gegen die britischen Sanktionen an.

US-Finanzminister Scott Bessent ordnete die Maßnahme politisch ein: „Das Finanzministerium wird weiterhin jedes Mittel einsetzen, um ihn und andere Regime-Eliten vom globalen Finanzsystem zu isolieren.“

Der Hotelbetrieb in Gravenbruch läuft seit 1967. Von 1976 bis 2024 führte die Kempinski-Gruppe das Fünf-Sterne-Haus, erst im Herbst 2024 übernahm Hilton das Management per Vertrag. Der Markenwechsel lag beim Insolvenzfall also rund ein Jahr zurück. Zur Betriebsgröße kursieren unterschiedliche Angaben von 225 bis 284 Zimmer. Zur Ausstattung gehören Schwimmbad, Spa und Tennisplätze.  

Bei der insolventen Hotelbetriebsgesellschaft waren zuletzt 140 Mitarbeitende beschäftigt. Durch den jetzt gefundenen Investor bekommen die 90 verbliebenen Beschäftigten neue Verträge. 

Käufer ist die Comer Group International, ein britischer Immobilienentwickler. Der Erwerber gilt in der Branche als „leistungsfähiger Investor“ mit „jahrzehntelanger Erfahrung im Immobilien- und Hotelgeschäft“. Zentral ist seine Absicherung gegenüber den Sanktionen: Durch die Struktur des Verkaufs sei garantiert, dass Ansari „wirtschaftlich und finanziell keine Vorteile“ aus dem Geschäft ziehe. Für die Comer Group ist Gravenbruch die sechste deutsche Hotel-Adresse und der Einstieg in den Großraum Frankfurt. Die Briten betreiben fünf Hotels in Deutschland, darunter das Hamburg Airport Plaza Hotel. Aus Gravenbruch soll das Flaggschiff im europäischen Portfolio werden. 

Der Fall Gravenbruch verschiebt die Risikobewertung für jeden Betrieb, der nicht im Eigentum eines operativ aktiven Hoteliers steht. Entscheidend ist nicht die Auslastung oder der RevPAR (Umsatz pro verfügbarem Zimmer), sondern die Frage, wer am Ende der Eigentümerkette steht. Eine Sanktion gegen einen Gesellschafter kann Geschäftskonten binnen Tagen einfrieren, unabhängig davon, wie gesund das Tagesgeschäft läuft. Im Klartext: Wer als Pächter, Betreiber oder Managementpartner in eine Immobilie einsteigt, sollte die wirtschaftlich Berechtigten bis zur letzten Holding kennen. Konstruktionen über Briefkastengesellschaften in Drittstaaten, wie hier über St. Kitts und Nevis, sind kein Detail für die Rechtsabteilung, sondern ein betriebliches Liquiditätsrisiko. Die Hilton-Reaktion zeigt zudem, wie schnell Marken aus Verträgen aussteigen, wenn US-Marktrisiken drohen, auch bei einem Haus ohne eigenes Verschulden. Quelle: dasHotellerie.com / CM

Flugbegleiter kam durch Stromschlag im Pool des Crewhotels ums Leeben

Während er sich im Pool des Crewhotels in Bengaluru entspannen wollte, sind am Freitag, 30. Oktober 2026, ein Lufthansa-Flugbegleiter (57) und ein 45-jähriger Slowake, durch einen Stromschlag ums Leben gekommen. 

Im Pool des Conrad-Hotrls kam ein Lufthansa-Flugbegleriter ums Leben. Foto: Conrad Hotels

Die Besatzung von LH764 befand sich nach einem fast achteinhalbstündigen Langstreckenflug von München kommend auf einem regulären Zwischenstopp in der indischen Metropole. Der tragische Vorfall ereignete sich im Außenpool im dritten Stock des Conrad Hotels im Stadtviertel Ulsoor in Bengaluru. Das Hotel vermarktet sich selbst als stilvolles Luxushotel und verfügt über einen beheizten Pool auf der Dachterrasse.

Die örtlichen Behörden haben die beiden ausländischen Staatsangehörigen, die bei dem Vorfall ums Leben kamen, identifiziert: Es handelt sich um den 57-jährigen Alexander Maximilian Theiss, der sich im Rahmen seiner Tätigkeit für die Lufthansa während eines Zwischenstopps in der Stadt aufhielt, sowie um den 45-jährigen Slowaken Juraj Horvat, der als Projektmanager für das US-Softwareunternehmen IBM arbeitete.

Zwei weitere Personen wurden bei dem Vorfall verletzt – ein US-amerikanischer Hotelgast sowie ein indischer Hotelangestellter, der herbeieilte, um zu versuchen, Theiss und Horvat zu retten. Beide Verletzten wurden mit durch einen Stromschlag verursachten Verletzungen in ein Krankenhaus eingeliefert. Der Flugbegleiter und der Softwaremanager erlitten im Pool einen tödlichen Stromschlag in dem Moment, als sich die  Unterwasserbeleuchtung einschaltete. Warum elektrische Spannung in das Wasser geraten konnte, ist derzeit Gegenstand laufender Ermittlungen. 

Ein Sprecher der Lufthansa teilte in einer schriftlichen Stellungnahme mit: „Lufthansa bestätigt mit großer Bestürzung, dass ein Besatzungsmitglied nach einem Unfall am Freitag (30. Oktober 2026) während eines Zwischenstopps in Bengaluru verstorben ist.“

Die 5-Sterne-Luxusherberger teilte mit, dass sein Außenpool am 31. Oktober 2026 wegen „Wartungsarbeiten“ geschlossen bleibe. Das Hotel fügte hinzu: „Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeiten.“ Quelle: Bild.de / CM

KI vernichtet massenhaft Arbeitsplätze

Über 120.000 Arbeitsplätze sind laut Daten des Berufsberatungs-Unternehmens Challenger, Gray & Christmas von Januar bis September 2026 in den USA auf Grund von Künstlicher Intelligenz gestrichen worden – das entspricht einer Steigerung von 119 % gegenüber dem gesamten Vorjahr.

Im März 2023, nur vier Monate nach der Einführung von ChatGPT durch OpenAI, forderten führende Persönlichkeiten der Technologiebranche in einem offenen Brief eine sofortige sechsmonatige Aussetzung „des Trainings von KI-Systemen, die leistungsfähiger sind als GPT-4“. Zwei Monate später warnte Geoffrey Hinton, einer der „Väter der KI“, dass die rasante Entwicklung der KI die menschliche Intelligenz bald übertreffen könnte.4 Es folgten weitere Stellungnahmen von KI-Wissenschaftlern, Experten und anderen namhaften Persönlichkeiten. Alle forderten Maßnahmen zur Minderung des Aussterberisikos durch KI und setzten es mit Risiken durch Atomkrieg und Pandemien gleich.

Auch wenn diese existenziellen Gefahren im Vergleich zu anderen KI-Risiken oft als weniger unmittelbar angesehen werden, sind sie dennoch bedeutend. Unbestritten wird erwartet, dass die KI den Arbeitsmarkt umkrempeln wird, was Befürchtungen hervorruft, dass die KI-gestützte Automatisierung Arbeitnehmer verdrängen wird. Laut einem Bericht des Weltwirtschaftsforums erwartet fast die Hälfte der befragten Unternehmen, dass KI neue aber wahrscheinlich nur wenige Arbeitsplätze schaffen wird, während fast ein Viertel sie als Ursache für Arbeitsplatzverluste sieht.

KI sorgt in den USA für massenhaften Jobabbau. Grafik: Statista

Während die KI das Wachstum in Berufsfeldern wie dem der Spezialisten für maschinelles Lernen, der Ingenieure für Robotertechnik und der Spezialisten für digitale Transformation vorantreibt, führt sie gleichzeitig zum Rückgang von Arbeitsplätzen in anderen Bereichen. Dazu können Büro-, Sekretariats-, Dateneingabe- und Kundenservicefunktionen gehören. Ob Künstliche Intelligenz (KI) aber die Welt in eine Massenarbeitslosigkeit stürzt, ist unter Ökonomen, Arbeitsmarktforschern und Tech-Experten umstritten; die Mehrheit der Studien prognostiziert jedoch eher eine fundamentale Transformation des Arbeitsmarktes als ein dauerhaftes Verschwinden von Arbeit. Während einige Berufe stark automatisiert werden, entstehen gleichzeitig völlig neue, wenn auch nur wenige Tätigkeitsfelder.

Scvon heute ist zu erkennen, dass die rasante Entwicklung von generativer KI (wie Sprach- und Bildmodellen) im Gegensatz zur früheren Automatisierungswelle vor allem Wissensarbeiter, Akademiker und Kreative betreffen wird. Zudem können Jobs im Kundenservice, in der Datenverwaltung, Übersetzung, einfachen Programmierung oder Texterstellung bereits heute zu großen Teilen von KI übernommen werden. Selbst wenn neue Jobs entstehen, geschieht dies oft nicht schnell genug oder erfordert völlig andere Qualifikationen, was zu struktureller Arbeitslosigkeit und der Gefahr von Aufruhr und sogar Bürgerkrieg führen kann.

KI ist in den USA derzeit der häufigste Grund für Stellenabbau. Dahinter folgen die Markt- bzw. Wirtschaftslage sowie Geschäftsaufgaben. Das stärkste Wachstum verzeichnet indes ein anderer Grund. So sind die Jobverluste durch freiwilliges Ausscheiden bzw.  Abfindung in den Vereinigten Staaten um 820 % auf fast 12.000 gestiegen. Und dieser Wert könnte in der näheren Zukunft noch erheblich steigen. Denn erst kürzlich hat der Software-Riese Microsoft – sein Gewinn ist in Q3 2026 um 32 % auf 36,6 Mrd. US-Dollar gestiegen – angekündigt, im erheblichen Umfang Personalkosten einsparen zu wollen. Dazu soll rund 60.000 seiner über 200.000 Angestellten ein Abfindungsangebot gemacht werden. Das entspricht einem Viertel der weltweiten Belegschaft. Betroffen sind vor allem Angestellte in den USA, Kanada, Großbritannien und Indien. Als Grund für den Jobabbau werden vor allem die enormen Investitionen in den Ausbau der KI-Infrastruktur genannt. Microsoft plant hier für das laufende Jahr mit Ausgaben in Höhe von fast 200 Mrd. US-Dollar. Quelle: MS / CM

Nium vereinfacht den globalen Zahlungsverkehr

Nium, Plattform für grenzüberschreitende Zahlungen, hat ihre Kapazitäten für inländische Transaktionen und die Kartenausgabe auf die USA ausgeweitet. Kunden – darunter Travel-Management-Unternehmen (TMCs) und andere Akteure der Reisebranche – können nun über die integrierte Plattform von Nium lokale Karten ausstellen. 

Yael Klein, Senior Vice President für B2B-Zahlungen bei Nium, die auf eine langjährige Karriere in der Geschäftsreisebranche zurückblicken kann – u.a. in Führungspositionen bei der ehemaligen AirPlus und dem gleichfalls verkauften Unternehmen American Express Global Business Travel –, sprach kürzlich über diese Expansion, die Produkt-Roadmap von Nium sowie über die Entwicklungen im Bereich KI und Kryptowährungen im Zahlungsverkehr. 

Nium ermöglicht laut Yael Klein den weltweiten Geldtransfer. Wann immer jemand reist – schon bei der Buchung –, findet ein Geldfluss statt. Ich war letzte Woche in Jakarta. Klein: „Ich buche über mein Reisebüro und gebe meine Kartendaten ein; mein Travel-Management-Unternehmen (TMC) leitet diese Daten direkt an die Fluggesellschaft weiter. Für mein Hotel hingegen wird eine sogenannte „Billback“-Lösung genutzt: Das TMC nimmt meine Kartendaten und stellt ein Zahlungsmittel für das Hotel aus. So können beim Check-out die Rechnungs- und Steuerdaten direkt erfasst werden. Genau hier kommt Nium ins Spiel. In Fällen, in denen der Geschäftsreisende seine Kartendaten nicht direkt selbst übermittelt, stellt das TMC – in diesem Beispiel – über unsere Plattform eine Karte aus, um das Hotel zu bezahlen. Ähnlich verhielt es sich bei meinem Transport vor Ort: Ich wurde am Flughafen von einem Fahrer abgeholt, der keine Kartenzahlungen akzeptierte. In diesem Fall erfolgte die Zahlung per Banküberweisung. Genau das ist es, was Nium tut.“

Wenn die Karte eines Geschäftsreisenden oder Endkunden nicht für den gesamten Buchungsvorgang genutzt werden kann, übernimmt Nium den zweiten Teil der Buchung und wickelt die Zahlung entweder über eine virtuelle Karte oder eine entsprechende Überweisungsform ab. Hier kommt Nums leistungsstarke Infrastruktur zum Tragen: Nium ist nicht auf ein klassisches Bankennetzwerk angewiesen – im Gegenteil, Banken nutzen Nium‘s Infrastruktur. Da Nium direkt an die lokalen Bankennetzwerke angebunden ist, kann das Unternehmen sofortige lokale Auszahlungen vornehmen, die deutlich kostengünstiger sind als internationale Überweisungen über herkömmliche Banken. Wer schon einmal Geld ins Ausland überwiesen hat, weiß, dass dies bei Banken meist mit hohen Kosten verbunden ist. Nium’s Ansatz unterscheidet sich grundlegend, „da wir dank unserer spezifischen Infrastruktur lokale Auszahlungen ermöglichen.“

Expansion in den US-Markt – speziell im Bereich der Kartenausgabe. Reisen sind ein globales Thema. Jeder Travel Manager wird bestätigen, dass Unternehmen einen globalen Anbieter bevorzugen – das gilt besonders für den Bereich Geschäftsreisen. Die aktuelle Landschaft ist oft stark fragmentiert: Travel Manager arbeiten häufig mit verschiedenen Kreditkartenanbietern und mehreren Travel Management Companies (TMCs) zusammen, um eine umfassende globale Betreuung sicherzustellen. Viele von Nium’s  Kunden greifen auf eine Vielzahl unterschiedlicher Banken und Kartenanbieter zurück. Entscheidend ist kaut Klein, „dass wir unseren globalen Kunden eine einheitliche Infrastruktur bieten können. Die USA waren für uns bisher eine Lücke. Zwar konnten wir den US-Markt auch von außerhalb bedienen, doch ein lokales, inländisches Produkt ist für ein wirklich globales Angebot unerlässlich. Diese Lücke haben wir nun geschlossen: Unsere Infrastruktur ermöglicht es unseren Kunden, weltweit mit uns zusammenzuarbeiten.“

Die nächste Station auf Nium’s Roadmap ist Klein zufolge Lateinamerika].Betrachtet man die weltweiten Statistiken, so zählt Brasilien zu den größten Reisemärkten der Welt. Es ist für Nium entscheidend, dort langfristig mit einem lokal angepassten Produkt Fuß zu fassen.

Nimm arbeitet mit APIs. Den Worten Yael Klein‘s zufolge ist Nium’s Produkt nur dann wirklich gut, wenn es unsichtbar bleibt. Nium muss im Hintergrund auf exzellente Weise agieren, ohne dabei aufzufallen. Alles muss automatisiert sein. Nium arbeitet mit APIs. Dabei ist Ziel, Abläufe nahtloser und weniger kompliziert zu gestalten. Der Zahlungsverkehr ist derzeit noch etwas fehleranfällig. Bisher haben sich alle auf die Benutzeroberfläche für den Käufer oder auf die Backend-Prozesse konzentriert – doch das Ergebnis ist oft nur ein Flickenteppich aus verschiedenen Banken und Kreditkartenanbietern. Bisher hat sich kaum jemand ernsthaft damit befasst, wie man diesen Prozess nahtloser gestalten könnte. Man hat sich daran gewöhnt, weltweit auf 12 verschiedene Anbieter angewiesen zu sein. Nium setzt genau hier an: „Wir ermöglichen es unseren Kunden, auf diese 12 Anbieter zu verzichten und stattdessen unsere Lösung zu nutzen. Genau darin investieren wir kontinuierlich: Wir machen die Zusammenarbeit mit uns einfacher, stellen mehr Daten bereit, ermöglichen eine nahtlose API-Integration und bauen unsere globale Präsenz stetig aus. Wir wickeln Auszahlungen in 190 Märkten ab – das ist schon beachtlich“, so Klein.

Bei der Automatisierung und auch bei der Betrugserkennung kommt vieles zum Einsatz. Alles, was mit großen Datenmengen oder – früher – mit 5.000 Excel-Listen zu tun hatte, wird heute mithilfe von KI abgewickelt. Nium setzt KI im gesamten Unternehmen ein. Nium nutzt KI, um zu verstehen, wie die Kunden agieren und vor welchen Herausforderungen sie stehen. Jede Serviceanfrage wird heute durch KI geleitet, um sie entsprechend zu bearbeiten.

Klein weiter: „Ich bin seit 25 Jahren in der Reisebranche tätig, und was ich in den letzten fünf Jahren erlebt habe, trägt maßgeblich dazu bei, das Kundenerlebnis im Hintergrund zu verbessern – es wird auf unauffällige Weise exzellent, und es gibt deutlich weniger Reibungspunkte. Das ist etwas, das einem oft gar nicht sofort bewusst wird. Stellen Sie sich vor, Sie fahren auf einer Straße voller Schlaglöcher und sind genervt – und plötzlich sind die Schlaglöcher verschwunden. Es dauert eine ganze Weile, bis man merkt, dass man nicht mehr von einem Schlagloch ins nächste holpert. Genau das passiert hier im Grunde: Wir beseitigen nach und nach die „Schlaglöcher“ auf dem Weg. Das verbessert das Kundenerlebnis ganz erheblich.“

Stablecoin-Zahlungen. Es gibt Bestrebungen, die praktische Nutzung von Stablecoin-Zahlungen voranzutreiben. Dazu Yael Klein: „ Ein Stablecoin ist letztlich nur ein weiterer Zahlungskanal – so wie Visa, MasterCard, UATP, Diners oder Discover. Es ist ein zusätzlicher Weg, um Gelder schnell zu transferieren. Stellen Sie sich ein Modell ähnlich einer Debitkarte vor: Kunden halten Guthaben bei uns, von dem aus sie Zahlungen tätigen oder virtuelle Karten ausstellen können. Unsere Kunden verfügen in der Regel nicht über große Liquiditätsreserven – die Reisebranche ist schließlich nie besonders kapitalstark, oder? Die Margen sind extrem gering.

Stablecoins ermöglichen eine Art globale Sofortzahlung, was den Kunden einen längeren Spielraum bei ihrem Betriebskapital verschafft. Bei herkömmlichen Verfahren müssten sie uns das Geld heute überweisen, damit es drei Tage später auf unserem Konto eingeht – und wir es dann an weitere Leistungsträger weiterleiten können, bei denen es wiederum ein oder zwei Tage später ankommt. Mit Stablecoins erfolgt die Transaktion in Echtzeit. Zudem helfen sie dabei, Währungsschwankungen abzufedern, da ein Stablecoin – wie der Name schon sagt – wertstabil ist. Stablecoins sind eine „erwachsene“ Form von Kryptowährungen. Ich habe früher bei einer deutschen Bank gearbeitet – und deutsche Banken sind, vorsichtig ausgedrückt, nicht gerade die innovativsten –, aber selbst dort hat man sich damit befasst. Es ist schlicht eine andere Art der Abwicklung; zudem ist es eine schnelle und sichere Zahlungsmethode. Quelle:  BTN / CM

Etravel öffnet Flugbuchungssystem für KI-Agenten

Der Flugtechnologie-Anbieter Etraveli Group hat eine Schnittstelle auf Basis des „Model Context Protocol“ (MCP) eingeführt Das ermöglicht es KI-Agenten, mit seiner Buchungsplattform zu interagieren.

Mithilfe des MCP können KI-Agenten, die auf Plattformen wie Claude, ChatGPT oder anderen MCP-kompatiblen Systemen basieren, in Echtzeit auf Flugdaten von Etraveli zugreifen. Nach Angaben der Unternehmensgruppe umfasst dies u.a. Tarifvergleiche von mehr als 550 Fluggesellschaften in über 75 Märkten. Auch Passagierdaten, Sitzplatzwahl und Gepäckgebühren können über diese Anbindung verarbeitet werden. Die eigentlichen Buchungen erfolgen über „Flightnetwork“ – die Online-Reisebüromarke von Etraveli –, die zudem Umbuchungen, Stornierungen und Rückerstattungen abwickelt.

Laut Andreas Marquardt, Chief Corporate Development Officer der Etraveli Groupe, ist die MCP-Schnittstelle Teil des Ziels, die Gruppe zur „weltweit führenden Fluginfrastruktur-Plattform für KI und digitalen Handel“ zu entwickeln. Das Unternehmen betreibt die globalen Flugbuchungsdienste für Booking.com und fungiert als Abwicklungspartner für Flugbuchungen bei Skyscanner.

Bereits Anfang des Jahres hatte die Gruppe das Unternehmen Wenrix übernommen – eine KI-Plattform, die mit Travel-Management-Unternehmen und Online-Reisebüros (OTAs) zusammenarbeitet. Quelle: Etravel / CM

Avis baut Premium-Service „Avis First“ in Europa aus

Die Avis Budget hat ihren Premium-Concierge-Service „Avis First“ auf die Flughäfen London Heathrow und Paris Charles de Gaulle ausgeweitet. Nach Angaben des Unternehmens ist der Service inzwischen an mehr als 30 Standorten – an Flughäfen sowie in Städten – in Nordamerika und Europa verfügbar.

Avis führte den „Avis First“-Service, der eine persönliche Betreuung direkt bei der Ankunft umfasst, im Juli 2025 in den USA ein und weitete ihn im Oktober 2025 auf ausgewählte europäische Standorte aus. In Europa ist der Service u.a. in Rom, Genf, Zürich, München, Barcelona und Porto) verfügbar.

Zum Angebot von „Avis First“ gehören laut Unternehmensangaben eine persönliche Begleitung vom Ankunftsbereich am Flughafen bis zum Fahrzeug, ein „Premium-Fahrzeug“ sowie eine individuelle Betreuung durch einen Concierge während der gesamten Mietdauer. „Avis First“ ist ausschließlich über die mobile App von Avis buchbar. Quelle Avis Budget / CM

EVA Air und China Airlines fliegen wieder über Russland

Am vergangenen Wochenende (24./25. Oktober 2026) haben Taiwans zwei größte internationale Fluggesellschaften EVA Air  und China Airlines erstmals seit Beginn des russischen Einmarsches in die Ukraine im Februar 2022 wieder Flüge durch den russischen Luftraum durchgeführt. Die Entscheidung kam für die Passagiere überraschend, doch nun scheint es eine Erklärung für diese plötzliche Änderung zu geben: die sogenannte „Ein-China“-Politik.

Die Regierung Taiwans betrachtet die Insel seit 1949 als unabhängigen und demokratischen Staat – jenem Jahr, in dem die unterlegene nationalistische Regierung am Ende des chinesischen Bürgerkriegs auf die dem chinesischen Fesdtland vorgelagerte Insel nach Taiwan floh.

Peking hat Taiwan nie als unabhängiges Land anerkannt. Aus Sicht Pekings ist Taiwan eine abtrünnige Provinz, die eines Tages wieder mit dem Rest der Volksrepublik China vereint werden soll. Um dieses Ziel zu verfolgen, verfolgt Peking seit Langem die „Ein-China“-Politik.

Diese Politik übt politischen Druck auf nahezu alle Regierungen dieser Welt aus, Taiwan nicht als unabhängigen Staat anzuerkennen. Dies ist auch der Grund, warum Taiwan keinen Sitz bei den Vereinten Nationen hat und warum die Sportler der Insel bei den Olympischen Spielen unter der Bezeichnung „Chinesisch Taipeh“ antreten.

Die „Ein-China-Politik“ kann es für die in Taiwan ansässigen Fluggesellschaften schwierig machen, den Luftraum über dem chinesischen Festland zu nutzen. Zwar führen sowohl EVA Air als auch China Airlines Flüge zwischen Taiwan und der Volksrepublik China durch, doch bei Langstreckenflügen wird der Luftraum der Volksrepublik China in der Regel gemieden. So wählen Air China und EVA Air bei  Flügen nach Europa üblicherweise eine südliche Route, die über Thailand, Indien, Pakistan und den Nahen Osten nach Europa führt. Am vergangenen Wochenende aber hat Pakistan jedoch Berichten zufolgeden taiwanesischen Airlines die Nutzung seines Luftraums untersagt. Zum Hintergrund: Pakistan erkennt die „Ein-China-Politik“ an.

Nachdem Pakistan seinen Luftraum für die taiwanesischen Fluggesellschaften gesperrt hatte, mussten China Airlines und EVA Air nach Wegen suchen, ihre Flüge nach Europa weiterhin durchzuführen. In einigen Fällen konnten die Fluggesellschaften ihre Routen so anpassen, dass sie weiterhin auf der südlichen Strecke blieben, dabei jedoch den pakistanischen Luftraum knapp umgingen. In anderen Fällen entschieden sich die Fluggesellschaften hingegen für die Nutzung des russischen Luftraums. Hier einige Beispiele:

A1. m 23. Oktober führte EVA Air den Flug BR88 von Paris nach Taipeh auf der üblichen südlichen Route durch. Am 24. Oktober wurde die Verbindung gestrichen, am 25. Oktober jedoch wieder aufgenommen – diesmal über die Polarroute durch Russland, wobei die Volksrepublik China weiträumig umflogen wurde.

2.   Der Flug CI-82 von China Airlines von London Heathrow nach Taipeh verlief am 23. Oktober noch über die südliche Route durch den pakistanischen Luftraum. Am 25. Oktober wurde zwar weiterhin die südliche Route gewählt, Pakistan dabei jedoch umflogen.

3. Der Flug CI-64 von China Airlines von Wien nach Taipeh nutzte bis zum 27. Oktober die südliche Route, bevor er auf die Polarroute wechselte.

Die Angelegenheit wurde am Mittwochabend (28. Oktober 2026) komplizierter, als die pakistanische Regierung bekannt gab, dass sie China Airlines und EVA Air wieder die Erlaubnis zur Nutzung des pakistanischen Luftraums erteilt habe. Pakistan äußerte sich nicht dazu, ob diese Entscheidung einen Kurswechsel darstellt. Quelle: CM

Spanien: Ausfall der LZB und fehlende Kommunikation führten zum Unfall 

Die Triebfahrzeugführerin des Iryo-ETR 1000 hatte laut dem italienischen Betreiber den spanischen Infrastrukturbetreiber Adif 10 Minuten vor dem Zusammenstoß (08.48 Uhr) mit dem AVE 103 darüber informiert, dass er aufgrund einer Störung des LZB-Signalsystems (Linienzugbeeinflussung) auf dem rechten Gleis Richtung Sevilla stehen geblieben war, doch der Triebfahrzeugführer des Renfe AVE, der mit mehr als 100 km/h auf den ETR 1000 aufprallte, hat diese Information laut ersten Ermittlungen von der Betriebsleitstelle in Madrid nicht rechtzeitig bekommen.

„Um 8:38 Uhr hielt unser Zug, der das Problem bereits zuvor erkannt hatte und im Zugbeeinflussungssystem ASFA (Anuncio de Señales y Frenado Automático; Ankündigung von Signalen und automatisches Bremsen) weiterfuhr, vor einem leeren Signal an. In diesem Moment nahm die Lokführerin, wie es das Verfahren vorsieht, Kontakt mit der Leitstelle (Centro de Regulación y Control, CRC, die zu Adif gehört) auf, um die Wiederaufnahme der Fahrt zu koordinieren“, berichten Quellen von Iryo. „Um 8:48 Uhr wurde der Iryo-Hochgeschwindigkeitszug Zug 6076 aus unbekannten Gründen vom Renfe-Zug 103 am Heck gerammt“, schließen sie. 

Der zweite schwere Eisenbahnunfall innerhalb von neun Monaten im spanischen Hochgeschwindigkeitsnetz droht die Opferzahl des Unfalls vom Januar bei Adamuz (Córdoba) zu übertreffen, dessen Untersuchung weiterhin im Gange ist und sich auf einen Schienenbruch als Hauptursache konzentriert. In diesem zweiten Fall in Urda (Toledo) deuten erste Ermittlungen darauf hin, dass Koordinationsfehler bei der Verkehrsleitung am Punkt 119,700 der Strecke Madrid–Sevilla – einer Überhol- und Abstellstelle für Züge der Adif – dazu führten, dass ein AVE der Renfe mit mehr als 100  km/h trotz erfolgter Notbremsung auf den Iryo-Zug prallte. 

Das bei diesem Unfall zum Einsatz kommende Signalsystem ist die Linienförmige Zugbeeinflussung (LZB). LZB, das über ein zwischen den Schienen verlegtes Induktionskabel, dsas eine permanente Kommunikation zwischen Triebfahrzeugführer und Zugleitstelle entlang der gesamten Strecke aufrechterhält. Neben der Übermittlung von Fahraufträgen, Höchstgeschwindigkeit und verbleibendem Bremsweg auf einer digitalen Anzeige im Führerstand überwacht das System das Fahrverhalten der Züge und kann durch Eingriffe in die Fahrzeugsteuerung die Fahrt der Züge beeinflussen. Linienförmig bedeutet dabei, dass der Informationsaustausch zwischen Strecken- und Fahrzeugeinrichtung während der gesamten Fahrt, auch während Betriebs- und Verkehrshaltrn, dauernd und zusätzlich in beiden Richtungen besteht. Die junge Lokführerin des Iryo hatte auf das ausgefallene LZB-System hingewiesen. 

Wenn eine solche Meldung ausgegeben wird, wird sie an die übrigen Betreiber mit Zügen auf der Strecke weitergeleitet, damit diese ihre Geschwindigkeit verringern oder gegebenenfalls anhalten. Die Verantwortung für die Weiterleitung läge in diesem Fall beim Betriebsleitzentrum (Centro de Gestión de Operaciones, CGO) von Renfe für den nachfolgenden AVE sowie beim Regulierungs- und Kontrollzentrum (Centro de Regulación y Control, CRC) von Adif mit Sitz in Madrid.

In Urda verlief die Situation anders: Obwohl laut Iryo der Leiter der Adif-Leitstelle 10 Minuten vor dem Vorfall gewarnt worden war, hat der AVE – anstatt rechtzeitig die Geschwindigkeit zu verringern und im sogenannten „Sichtbetrieb“ zu fahren – schließlich den stehenden Zug gerammt. „Der Aufprall zwischen dem AVE_Zug und dem hinteren ETR 1000-Triebzugende des stehenden Iryo-Zugs muss brutal gewesen sein“, erklären Techniker, die Eisenbahnunfälle untersuchen. Die beiden direkt beteiligten Wagen, in denen sich jeweils Fahrgäste befanden, wurden völlig zerstört. Darin gab es auch die meisten Todesopfer. Quelle El Mundo / CM

VW-Konzern: Schlimme Zahlen und ein kleiner Ausweg Kreislaufwirtschaft 

Der Volkswagen-Konzern hat im dritten Quartal 2026 einen operativen Verlust von 5,82 Mrd. Euro verbucht. In den ersten neun Monaten brach das operative Ergebnis um gut 99 % (!) ein. Umsatz und Fahrzeugabsatz gingen deutlich zurück, u.a. in China. Zudem wurde eine milliardenschwere Abschreibung auf Porsche fällig.

Die Elektroautos des VW-Konzerns verkaufen sich in Europa zwar gut, bringen aber zu wenig Geld ein, um die Verluste auszugleichen. Finanzchef Arno Antlitz mahnt deshalb beim Konzernumbau zur Eile.

Den schlechten Zahlen ging bereits im September eine Gewinnwarnung voraus: Volkswagen ist im dritten Quartal tief in die roten Zahlen gerutscht. Der Umsatz gab in Q3 2026 um 6,3 % auf 75,3 Mrd. Euro nach, wie der Konzern mitteilte. Der Absatz sank von 2,2 Mio. Fahrzeugen auf 1,89 Millionen.

Besonders stark schlägt eine Abschreibung auf den Firmenwert der Sport- und Geländewagentochter Porsche zu Buche. Sie beläuft sich auf rund 6,4 Mrd. Euro. Die Wertberichtigung belastet den operativen Gewinn von VW deutlich. Hintergrund sind niedrigere Erwartungen an die künftige Entwicklung der fast an die Wand gefahrenen Sportwagentochter.

Mit den schlechten Quartalszahlen steigt der Druck auf die Werke von VW. Im westsächsischen  Zwickau-Mosel , einem der bedrohten Standorte, setzt man nun nicht mehr nur auf den Bau, sondern auch auf die Demontage von Fahrzeugen. Im Fahrzeugwerk Zwickau wurde die erste industrielle Demontagelinie mit acht Takten für Vorserien- und zukünftig auch für Altfahrzeuge eröffnet. Seit dem Startschuss im Januar wurden die Umbaumaßnahmen am Standort und das Genehmigungsverfahren in nur neun Monaten abgeschlossen. Ab 2027 werden 4.100 Fahrzeuge p.a. im Zweischichtbetrieb zerlegt und 100 Mitarbeitende beschäftigt. Im Fahrzeugwerk Zwickau werden somit Originalserienteile der Konzernmarken gewonnen und für den Handel bereitgestellt.

Im Vordergrund steht für den Volkswagen Konzern der Aufbau eines neuen Geschäftsfeldes, um zeitwertgerechte Gebrauchtteile und Materialkreisläufe zu erschließen. Gleichzeitig werden mit der Einführung von Rezyklat-Quoten ab dem Jahr 2032 für Kunststoff und weitere Rohstoffe in Europa industrielle, skalierbare Prozesse – analog der Fahrzeugproduktion – nötig, um Altfahrzeuge effizient demontieren zu können. Allein im Bereich der Kunststoffe werden perspektivisch mit wiedergewonnenem Kunststoff aus einem Altfahrzeug drei Neuwagen hergestellt werden können. Das ist sicher ein zukunftsträchtiges Geschäft. Aber ob das reicht, um die Zukunft des Werks zu sichern, muss sich erst noch zeigen. Quelle: VW / CM

Potenzial von Blender Travel

Blended Travel ist mehr als die gelegentliche private Verlängerung einer Geschäftsreise. Das Whitepaper „Blended Travel – Impulse für Unternehmen und Anbieter im Geschäftsreisemarkt“ zeigt, wie sich die Kombination geschäftlicher und privater Reisen entwickelt, wo Unternehmen und Anbieter noch vor Herausforderungen stehen und welche Schritte jetzt notwendig sind. Herausgeber des aktuellen White Paper zum Thema  sind das GCB German Convention Bureau e.V. und der VDR – Verband Deutsches Reisemanagement e.V. im Rahmen ihrer gemeinsamen Initiative blend_it! 

Angeblich werden mehr als die Hälfte aller Auslandsgeschäftsreisen weltweit mit einem privaten Aufenthalt kombiniert (IPK International). CM-Recherchen ergeben aber, dass es allenfalls 15 % sein können. In Nordamerika z.B. ist Blended Travel weitgehend untersagt, in Asien ebenfalls. Unter den deutschen Geschäftsreisenden haben bereits zwei Drittel eine solche Bleisure-Reise einmal unternommen (Bayerisches Zentrum für Tourismus e.V.). Sie verbrachten dabei durchschnittlich 3,1 private Nächte zusätzlich am Reiseziel und gaben für diesen privaten Reiseanteil rund 616 Euro aus. Gleichzeitig bestehen Herausforderungen auf mehreren Ebenen: 77 % der Anbieter sind laut Bleisure & Workation Monitor Deutschland bislang nicht mit spezifischen Bleisure-Travel-Angeboten im Markt und nur 45 % der Geschäftsreisenden geben an, dass ihr Unternehmen dazu klare Regeln etabliert hat. Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Situation erlauben auch nur die wenigsten deutschen Unternehmen die private Verlängerung von Geschäftsreisen. 

Neben aktuellen Forschungsergebnissen kommen Travel Management, Human Resources, Hotellerie, Destinationen und Mobilitätsanbieter zu Wort. Deutlich wird dabei, dass Blended Travel nicht allein eine Aufgabe des Travel Managements ist. Unternehmen müssen private und dienstliche Reiseanteile klar voneinander abgrenzen, Verantwortlichkeiten definieren und die entsprechenden Regelungen in Buchungs- und Abrechnungsprozesse integrieren. Auf Anbieterseite geht es darum, passende Leistungen sichtbar, flexibel buchbar und getrennt abrechenbar zu machen.

Jens Schließmann, Hauptgeschäftsführer des VDR: „Die Nachfrage nach Blended Travel ist da. Jetzt geht es darum, aus individuellen Einzellösungen verlässliche Strukturen zu machen. Unternehmen brauchen klare Regeln, eindeutige Verantwortlichkeiten und Prozesse, die geschäftliche und private Reiseanteile sauber voneinander trennen. Nur dann lässt sich die gewünschte Flexibilität mit Compliance, Fürsorgepflicht und Wirtschaftlichkeit verbinden.“

Auch für Destinationen und Anbieter eröffnet Blended Travel neue Möglichkeiten. Mehr als die Hälfte der in der BZT-Studie betrachteten Bleisure-Reisen steht im Zusammenhang mit Seminaren, Schulungen, Kongressen oder vergleichbaren Veranstaltungen. 61 % der (deutschen) Bleisure-Reisenden verbringen auch ihren privaten Aufenthalt direkt am Ort des Geschäftsreiseziels, weitere 36 % in dessen näherer Umgebung. Damit kann – die Betonung liegt auf „kann“ – die Geschäftsreise zum Ausgangspunkt für zusätzliche touristische Wertschöpfung und einen späteren privaten Besuch werden.

Für Matthias Schultze, Geschäftsführer des GCB, bestehen darin enorme Chancen für Tagungs- und Kongressdestinationen in Deutschland: „Für alle Stakeholder im Ökosystem von Business Events liegt hier relevantes Potenzial, das es zu heben gilt. Geschäftsreisende unterscheiden nicht zwischen den Zuständigkeiten einzelner Anbieter, sondern erleben die Destination als Ganzes. Entscheidend ist deshalb, bestehende Angebote entlang der gesamten Reise besser miteinander zu verknüpfen und zum richtigen Zeitpunkt sichtbar zu machen.“

Elf Handlungsfelder für Blended Travel. Eine zentrale Grundlage des Whitepapers sind die Ergebnisse des ersten Blended Travel Summits im Juli 2026 in Frankfurt/M.. Dort diskutierten rund 70 Fachleute aus Unternehmen, Tourismus, Mobilität, Wissenschaft und Technologie, welche Voraussetzungen für die weitere Entwicklung von Blended Travel notwendig sind. Daraus wurden elf Handlungsfelder in drei Bereichen abgeleitet.

In den kommenden Monaten sollen weitere Studien folgen, u.a. zum Reiseverhalten internationaler Geschäftsreisender aus wichtigen Quellmärkten nach Deutschland. Zudem sind praxisnahe Hilfestellungen für Unternehmen und weitere Webinare vorgesehen. Alle Informationen und das Whitepaper stehen gebündelt unter www.blended-travel-hub.de zur Verfügung.Über die Initiative blend_it! Mit der gemeinsamen Initiative blend_it! verfolgen VDR und GCB das Ziel, modernes Reisen und Arbeiten aktiv mitzugestalten. Statt Entwicklungen lediglich zu beobachten, bringt die Initiative Unternehmen, Destinationen, Hotellerie, Wissenschaft und Technologieanbieter zusammen, schafft belastbare Daten und entwickelt konkrete Lösungen für die Praxis. Der Blended Travel Hub ist die zentrale Plattform der Initiative. Info: www.blended-travel-hub.de Quelle: GCB / VDR / CM