Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) ist nur am Heulen und Betteln. Beim „Abend der Luftfahrt“ in Berlin sind mehr als 500 Gäste aus Luftfahrt und Politik in Berlin zusammengekommen. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) und BDL-Präsident Lars Redeligx eröffneten den Abend mit ihren Grußworten.
Redeligx machte deutlich, dass der weltweite Luftverkehr weiter zunehmen werde – laut IATA ist derzeit das Gegenteil der Fall – wie die Rekordbestellungen bei Airbus und Boeing zeigten. Doch während das Flugangebot in vielen europäischen Märkten wachse, falle Deutschland immer weiter zurück. Grund dafür seien vor allem die staatlichen Belastungen, die doppelt so hoch lägen wie im europäischen Durchschnitt. Das bedeute zwei Mrd. Euro Mehrkosten pro Jahr für die Branche. Der BDL-Präsident betonte, dass Luftverkehr essenzielle Infrastruktur für Wohlstand, Resilienz und Freiheit ist. „Konnektivität ist für Deutschland genauso wichtig wie bezahlbare Energie und Fachkräfte.“ Worauf Redeligx mit keiner Silbe einging, die Luftfahrt ist ganz maßgeblich an den Klimakatastrophen mit schuld.
Die Rücknahme der letzten Erhöhung der Luftverkehrsteuer würdigte Redeligx als wichtiges Signal. Die Entlastung um 2,50 Euro pro Passagier reiche jedoch nicht aus: Um auf europäisches Niveau zu kommen, seien insgesamt 15 Euro nötig. Dass sich das lohne, zeigten die Zahlen: Jedes zusätzlich in Deutschland stationierte Flugzeug bedeute im Schnitt 170 Arbeitsplätze und 70 Mio. Euro Wertschöpfung. „Die deutsche Luftfahrt war einmal europäische Spitze. Sie kann es wieder sein“, sagte Redeligx.
Um dieses Ziel zu erreichen, hat der BDL der Politik einen Zukunftspakt für Wachstum, Innovation und Nachhaltigkeit (von Nachhaltigkeit kann überhaupt keine Rede sein) angeboten. Dieser umfasst drei Schritte:
- Halbierung der staatlichen Steuern und Gebühren für Luftverkehr auf europäisches Niveau
- Schnellere Verfahren, Bürokratieabbau und Verzicht auf „Gold-Plating“ bei der Umsetzung europäischer Regeln in deutsches Recht
- Bezahlbare und wettbewerbsneutrale Dekarbonisierung, finanziert aus den steigenden Einnahmen des Emissionshandels
Mit diesen Maßnahmen könne auch der Luftverkehrsstandort Deutschland wieder durchstarten, betonte Redeligx. Der BDL-Präsident verwies auf das Beispiel Schweden. Nach der Abschaffung der Luftverkehrsteuer wuchs das Angebot innerhalb eines Jahres um 9 %. „Das kann auch bei uns gelingen“, sagte er. Nur nutzen die Skandinavier Passagierflüge immer weniger. Skandinavier fliegen nachweislich weniger als viele Menschen im Rest Europas, was stark mit dem Phänomen der Flugscham (Flygskam) zusammenhängt. Quelle: BDL / CM

